Bali am Rande einer Umweltkatastrophe – Hilft nur noch die Tourismuswende?

Bali gilt als einer der spirituellsten und magischsten Orte auf der Welt mit bezaubernden Menschen, wunderschönen Tempeln, Reisfeldern und traumhaften Landschaften und ist eine der bekanntesten und touristisch erschlossensten Inseln Indonesiens. Einerseits ist Bali abhängig vom Tourismus, andererseits führen die stetig wachsenden Touristenströme seit den 80er Jahren zu immer steigenden Umweltproblemen. Jedes Jahr kommen rund vier Millionen Touristen nach Bali. Derzeit gibt es etwa 80.000 Hotelbetten, mindestens 67 weitere Hotelanlagen sind in Bau.

Umweltprobleme auf Bali

Das zunächst sichtbarste Problem sind die wachsenden Müllberge. Aber auch die Übernutzung von Trinkwasser führt immer mehr zu spürbar absinkenden Grundwasserspiegeln. Die Akademikerin Stroma Cole erforschte über Monate die Ursachen und Auswirkungen der Wasserknappheit auf Bali. Die Tourismuswirtschaft verbraucht 65 % des auf der Insel verfügbaren Wassers. Berechnungen von Balifokus ergaben, dass bessere Hotels am Tag 500 Liter Wasser pro Zimmer verbrauchen, darin eingeschlossen sind Duschen, Zimmerreinigung, Swimmingpool und Gartenbewässerung. Im Süden Balis ist durch das Absinken des Grundwasserspiegels schon Salzwasser in das Grundwasser eingedrungen. Auch Verschmutzungen durch Fäkalien wurden festgestellt. Auf Bali gibt es kaum ein richtiges Abwasserentsorgungsnetz. Abseits der Hotels und Touristenhochburgen fließt das Abwasser oft ungefiltert direkt in die Flüsse und in das Meer.

An den sauber aufgeräumten Hotspots der Touristen und den hoteleigenen Stränden fällt das Umweltproblem vielleicht nicht immer gleich auf, aber Bali hat große Mühe die täglich anfallenden Müllberge zu bewältigen. In Kuta, dem sogenannten Ballermann von Indonesien, werden die Strände von Aufräumtrupps vom Müll befreit und trotzdem liegt dort noch jede Menge Plastikmüll, wie einschlägige Fotos im Internet beweisen. Auf einer Webseite habe ich eine Bildergalerie der 13 Strände gefunden, an denen man seinen Urlaub lieber nicht verbringen möchte. Kuta Beach auf Bali gehört leider dazu.

Trotzdem kommen viele Touristen nach Bali, denn Kuta ist nur die eine Seite, es gibt auch unzählige schöne Plätze dort, insbesondere im Landesinneren. Bali ist auch bei Surfern äußerst beliebt, aber auch die sind sehr unzufrieden mit der immer schlimmer werdenden Situation. Es ist nicht nur der schwimmende Plastikmüll im Meer, auch die Einleitung von Abwässern stinkt vielen Touristen. Vereinzelt wurden bereits dezentrale Abwasserbehandlungsanlagen insbesondere in Armenvierteln installiert. Damit Bali weiterhin ein beliebter Touristenort bleibt, muss aber sicher mehr in Sachen Umweltschutz und Ökotourismus passieren.

Wie fast überall in Indonesien gibt es auch hier nur eine mäßige von lokalen Behörden organisierte Müllabfuhr, geschweige denn genügend Abfallbehandlungsanlagen. Die Menschen schmeißen Abfälle allzu häufig auf die Straße, in Flussbetten oder ins Meer. Oft werden Abfälle auch verbrannt und verpesten damit die Luft – es riecht nicht selten nach verbranntem Plastik. Die Regenfälle schwemmen die Abfälle von den dutzenden Mülldeponien im Landesinneren an die Küste, dorthin wo die Touristen sind.

Balinesen wünschen sich einen nachhaltigen, sanften Kulturtourismus

Der Tourismus ist nichtsdestotrotz die wichtigste Einnahmequelle auf Bali. Die Entwicklung des Tourismus ging nur schneller als der Ausbau der Entsorgungsstruktur. Ökotourismus gibt es auf Bali bisher aber leider nur vereinzelt. Die Balinesen selbst möchten eigentlich keinen Massentourismus wie er jetzt vorherrscht, sie wünschen sich nachhaltigen, sanften Kulturtourismus.

Immer mehr Balinesen setzen sich daher für mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz ein und versuchen die Balance zwischen Kultur, Natur und Tourismus wiederherzustellen. Denn gerade im Hinduismus, der Hauptreligion der Balinesen, ist der friedliche Umgang mit sich selbst und der Natur von hoher Bedeutung. So sind es insbesondere die Bewohner der Insel, die nach Lösungen für das wohl sichtbarste von allen, das Abfallproblem, suchen, nicht aber die indonesische Regierung, die sich der Problematik wohl bewusst ist und sicher auch viel mehr helfen könnte.

Erste Schritte in die richtige Richtung

Ein einzigartiges Projekt, das um die ganze Welt ging, wurde von zwei indonesischen Schwestern, Isabel und Melati Wijsen, ins Leben gerufen. Die Schwestern setzen sich für ein Bali ohne Plastiktüten ein. Ihre Initiative nennt sich „Bye Bye Plastic Bags“ und wurde gegründet als die beiden Mädchen gerade mal zehn und zwölf Jahre alt waren. Mit einem symbolischen Hungerstreik schafften es die beiden nun auch den Gouverneur Made Mangku Pastika auf sich aufmerksam zu machen und kamen mit ihm ins Gespräch. Daraufhin verkündete die Umweltschutzagentur der Insel, dass Bali ab 2018 frei von Plastiktüten sein soll. Ich bin gespannt, ob dieses Ziel erreicht wird. Ein erstes Pilotdorf gibt es bereits. Dort haben Isabel und Melati viele Ladenbesitzer und Haushalte überzeugen können auf Plastiktüten zu verzichten.

Schade ist nur, dass erst radikale Maßnahmen richtige Aufmerksamkeit bei dem Gouverneur auslösen. Die beiden Mädchen haben hier Aufgaben geleistet, die eigentlich die Regierung vollbringen müsste, nämlich das Bewusstsein bei der Bevölkerung für Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu stärken. Die Wegwerfmentalität ist in Indonesien sehr groß. Aus den Augen, aus dem Sinn, so kommt es einem vor.

Das Unternehmen Eco Bali, das 2006 gegründet wurde, bietet eine kostenpflichtige Müllabfuhr für zum Beispiel Hotels an und betreibt eine eigene Abfallsortieranlage. Zudem gibt es eine Kampagne „Bring Your Own Bag (BYOB)“, um die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren ihre eigenen Beutel zum Einkauf mitzubringen anstatt die kostenlosen Einwegplastiktüten zu nutzen, die dann überall in der Umwelt landen. Zudem bietet Eco Bali Systeme zur Eigenkompostierung für Haushalte, Restaurants und Hotels an.

Es gibt vorbildliche Eco Resorts

Eco Resorts wie zum Beispiel das Puri Dajuma Cottages & Spa auf West Bali, ein 4-Sterne-Hotel, dass kein Abwasser ins Meer leitet, Brauchwasser behandelt, Kompost aus organischen Abfällen produziert, Glas und Plastik mit Hilfe der lokalen Bevölkerung vor Ort recycelt, Energie spart, Regenwasser sammelt und lokale Projekte vor Ort unterstützt, sollte es viel mehr auf Bali geben. Zudem macht das Hotel den Gästen weitere Vorschläge wie durch eigenes Verhalten die CO2-Bilanz des Aufenthaltes um den Faktor 4 reduziert werden kann, zum Beispiel indem die Gäste die Zimmerkühlschränke vom Strom nehmen und kalte Getränke an der Bar kaufen.

Einzelbeispiele lösen leider nicht das Problem im Ganzen. Insgesamt fehlt es wie immer an mehr Unterstützung durch die lokalen Behörden vor Ort. Bali braucht ein funktionierendes Wasser-, Abwasser- und Abfallmanagement. Die Sensibilisierung und Aufklärung der Bevölkerung und der lokalen Gewerbetreibenden steht an erster Stelle.

Was ich mir für die Insel Bali wünsche

Ich wünsche mir, auch weil ich sehr oft in Indonesien war und die Kultur und Menschen dort sehr schätze, dass die Regierung sich stärker für die Umweltproblematik einsetzt. Ich habe selbst im Rahmen von Projekten im Bereich Abfallmanagement oft mit Vertretern der Regierung sprechen können. Ich denke es liegt insbesondere daran, dass Fachkräfte im Land fehlen oder oft nicht viel bewirken können, da die Umweltprobleme ein so großes Ausmaß haben. Die bessere Ausbildung an den Universitäten ist ein erster Schritt. Ich war selbst am Aufbau eines Umweltmasterstudiengangs an der staatlichen Universitas Indonesia in Depok auf der Insel Java beteiligt, dessen Schwerpunkte Wasser-, Abwasser- und Abfallmanagement sind. Die jungen gut ausgebildeten Menschen werden hoffentlich in Zukunft mehr bewirken können als es bisher vielleicht der Fall war.

Ich wünsche mir auch, dass Bali es in Zukunft schafft einen Ökotourismus aufzubauen, bei dem Mensch, Kultur und Natur im Einklang sind und dass sich die Touristenströme nicht weiter auf benachbarte Inseln wie zum Beispiel Lombok oder die Gili Inseln verlagern, wo die Umwelt noch halbwegs in Ordnung zu sein scheint. Aber das ist wohl eine Illusion, oder? Immer mehr Gebiete werden in Indonesien touristisch erschlossen mit weitreichenden Folgen für das Ökosystem. Schade, wir wollen unberührte Natur, aber sind wir auch bereit für Umweltschutz und Ökotourismus mehr zu bezahlen? Und sind wir bereit im Urlaub auf Dinge zu verzichten, die wir aus unserem Alltag kennen?

Nicht nur die Touristen sind schuld

Es sind nicht nur die Touristen Schuld, sondern auch die Bevölkerung selbst und der Einfluss der westlichen Konsumgesellschaft. Früher war es das Bananenblatt, in dem Nahrung eingewickelt wurde, heute die Plastikfolie. Weggeschmissen wird oft beides direkt in die Natur, nur mit dem Unterschied, dass das Bananenblatt verrottet. Das Bewusstsein muss sich auch innerhalb der Bevölkerung verändern. Aber wo viel Armut herrscht, wird Umweltschutz meist nachrangig, denn Nahrung, Wasser und ein Dach über den Kopf zu haben sind da verständlicherweise erstmal wichtiger. Wo die Regierung nicht viel unterstützt und vor allem als Vorbild fungiert, kann auch niemand von der Bevölkerung erwarteten, etwas zu verändern.

Jeder von uns reist gerne in ferne Länder, um andere Kulturen, Menschen und Landschaften kennenzulernen. Aber wir sollten alle darauf achten und notfalls auch darauf aufmerksam machen, dass die Betreiber von Hotels auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz achten.

Lass uns jetzt über die Konsequenzen des Tourismus auf Bali diskutieren. Wie sind deine Erfahrungen? Bist du schon auf Bali oder anderen Inseln gewesen und welchen Eindruck hast du von der Umweltverschmutzung dort? Denkst du, dass eine Tourismuswende hin zum nachhaltigen Ökotourismus umsetzbar ist und hat Bali noch genügend Zeit das zu tun oder ist es schon zu spät für die Natur? Ich freue mich auf deinen hilfreichen Kommentar.

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2 Kommentare zu “Bali am Rande einer Umweltkatastrophe – Hilft nur noch die Tourismuswende?

  1. Dennis Moess

    Waren mehrmals auf Bali – das Problem nimmt generell zu – wäre aber einfach zu regeln über eine Art „Kurtaxe“. Den westlichen Touristen interessiert es nicht, wenn er pro Tag ca. 10 Euro „Gebühr“ zahlt, die dann für die Umwelt (Anlagen, Müllentsorgung, Recycling, Mitarbeiter/Aufräumtrupps) genutzt wird.

    Aktuell platzt Bali vor Touristen. Neben dem Müll ist der Verkehr unerträglich geworden und es werden überall weitere Hotelanlagen gebaut. Vom Traumstrand und Co ist auf Bali keine Spur mehr.

  2. Anja Blumschein

    Hallo Dennis,

    danke für deinen Kommentar. Sicher wäre Geld da hilfreich, aber es mangelt leider immer noch an guten Abfallbehandlungsanlagen und Mitarbeitern, die diese fachmännisch bedienen können. Zuerst muss in die Ausbildung der Fachkräfte investiert werden. Ich war mehrmals in Indonesien und am Aufbau eines Master-Umweltstudiengangs beteiligt. Unter anderem habe ich auch einen Einblick in das Abfallmanagement auf Bali bekommen. Zudem kommt ein Teil des Mülls auch von den umliegenden kleinen Inseln angespült. Auch hier muss es in Zukunft funktionierende Lösungen geben.

    Liebe Grüße
    Anja

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