Kokosöl ist ein wahrer Alleskönner, wenn man den Medien glaubt. Selbstgemachte Beauty-Produkte mit Kokosöl werden immer beliebter: Da werden Cremes mit Kokosöl angerührt und Deos hergestellt. Auch zum Braten, Backen und Zubereiten von Süßspeisen eignet sich Kokosöl. Es verleiht Gerichten eine leichte exotische Note. Kann ich Kokosöl unbedenklich einsetzen?

 

Der Kokosölmarkt  boomt

Es ist überall erhältlich und wird in vielen Produkten als Ersatz für Palmöl verwendet. Sogenannte Superfoods können heilen und es heißt viel hilft viel. Doch die Wirkung von Gojibeeren, Kokosöl, Maca und Chiasamen kann durch andere Lebensmittel genauso erzielt werden. Das wissen nur viele nicht und lassen sich von der Werbung leiten. Genauso wirkungsvoll wie Chiasamen sollen zum Beispiel Leinsamen sein.

Viele Menschen, die bewusst nachhaltig leben wollen, stellen sich die Frage, ob Kokosöl ökologischer ist als Palmöl.

 

„Von zwei Übeln, wird niemand das größere wählen, wenn er das kleinere wählen kann.“ (Platon, griechischer Philosoph)

 

Kokosöl wird auch in den Tropen angebaut

Kokosöl ist ein pflanzliches Öl, das aus dem getrockneten Nussfleisch (Kopra) gewonnen wird. Ursprünglich stammt Kokosöl aus Indonesien, den Philippinen, Indien, Sri Lanka, Malaysia und Papua-Neuguinea. Hierzulande ist es zu einem Hype geworden und die Nachfrage nach Kokosöl steigt. Der Transport nach Europa verursacht enorme CO2-Emissionen.

Noch wird Kokosöl meist von Kleinbauern angebaut, während Palmölpflanzen auf großen Monoplantagen angebaut werden. Für diese Monokulturen werden seit Jahrzehnten Regenwälder, oft illegal, abgeholzt oder abgebrannt. Indigene Völker und vom Aussterben bedrohte Tierarten, wie der Orang Utan, der Sumatra-Tiger oder der Malaienbär werden aus ihrem Lebensraum verdrängt.

Der Malaienbär aus Südostasien ist vom Aussterben bedroht – Schuld ist die Papier-, Holz- und Palmölindustrie © Martina Berg – Fotolia.com

Laut Rettet den Regenwald e. V. brannten 2015 etwa 17.000 Quadratkilometer Regenwald auf Borneo und Sumatra. 25 Millionen Menschen leben dort. In der Trockenzeit Ende 2015 war die Schadstoffpartikelkonzentration 90 mal höher als von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen. Rettet den Regenwald e. V. sammelt Unterschriften, um die Bundesregierung aufzufordern die fatale Biospritpolitik zu beenden. Bis 2020 sollen unsere Autos mit 7 % Biosprit fahren. Aktuell enthält jede Tankfüllung durchschnittlich fünf Prozent. Bitte unterschreibt die Petition, damit die Regierung endlich aufwacht!

Palmöl ist das mit Abstand billigste Pflanzenöl auf dem Weltmarkt. Der größte Palmölproduzent ist Indonesien: Hier wurden bereits viele Millionen Hektar Regenwald vernichtet.

Was würde mit dem Ökosystem passieren, wenn die Nachfrage nach Kokosöl steigt, so dass immer mehr Monokulturen angebaut werden müssten? Der Palmölanbau steigt stetig an. Wenn auch noch der Kokosölanbau rapide ansteigt, werden weitere Flächen für die Monokulturplantagen benötigt.

Wer bewusst lebt, möchte sich vielleicht Beauty-Produkte selbst herstellen, um zu wissen welche Inhaltsstoffe enthalten sind. Doch in vielen Rezepten kommt Kokosöl vor, weil man das „böse“ Palmöl nicht verwenden will.

 

Kokosöl wird als Superfood und Wundermittel von der Werbung angepriesen

Im Internet wird von dem vermeintlichen Wundermittel Kokosöl gesprochen, vielseitig einsetzbar. Da wird Kokosöl in vielerlei Funktion angepriesen: Als das perfekte Nahrungsergänzungsmittel aufgrund der Reichhaltigkeit an lebenswichtigen Vitaminen und Mineralien, als die geschmeidigste Hautpflege, als Wundermittel gegen Hautalterung, als Lederpflege und als Mittel, das Bakterien abtötet und zu weißeren Zähnen verhilft. Nur frage ich mich, können diese Wirkungen nicht auch von einheimischen Ölen erzielt werden?

Beim Palmöl halte ich es persönlich so, dass ich niemals Produkte kaufe, die dieses enthalten, auch keine Produkte, die Palmöl aus ökologisch zertifiziertem Anbau versprechen. Ich hatte endlich einen Schokoaufstrich im Supermarkt vom Feinkosthändler Grashoff gefunden, der kein Palmöl enthält und sehr lecker ist.

Gerade habe ich mir nochmal die Zusammensetzung angesehen: Shea-, Raps- und Kokosnussöl. Selbst herstellen ist wahrscheinlich doch am besten. Ich kann mich daran erinnern, dass meine Mutter früher Schokoaufstrich mit Haselnüssen, Schokolade und Vollmilchpulver gemacht hat. Das war so unschlagbar lecker. Leider gibt es das Rezept nicht mehr.

Auf den Philippinen wird Biotreibstoff aus Kokosöl staatlich gefördert und in hohem Maße produziert. Die Nachfrage steigt stetig. Die Organisation Rettet den Regenwald schreibt auf ihrer Internetseite folgendes: „Doch nicht nur die Erzeugung von Palmöl hat katastrophale Auswirkungen auf die Natur und das Leben der Menschen in den Regenwaldländern. Auch andere tropische Pflanzenöle wie Kokosfett und Sojaöl sind genauso schädlich…Rettet den Regenwald fordert deshalb ein generelles Importverbot für Palm-, Kokos- und Sojaöl. Die für den europäischen Bedarf benötigten Pflanzenöle können und sollten auf heimischen Äckern angebaut werden.“

Für mich ist damit die Frage beantwortet. Kokosöl stellt für mich keine Alternative zu Palmöl dar, auch wenn das Internet häufig etwas anderes suggeriert.

Leinöl, Kürbiskernöl, Distelöl und Hanföl werden in Europa produziert und können aus meiner jetzigen Sicht bedenkenlos verwendet werden.

Welche Pflanzenöle verwendest du zum Herstellen von Kosmetik oder zum Backen und Braten? Wie sind deine Erfahrungen mit heimischen Ölen? Schreib es mir in deinem Kommentar.

Weitere Informationen:

Kokosöl: Gesund und ökologischer als Palmöl? Gastbeitrag auf www.ricemilkmaid.de

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