Nachhaltige Weihnachten: Weihnachtsbaum und Weihnachtsgans

Wie nachhaltig ist mein Weihnachtsessen? Wo bekomme ich einen giftfreien Weihnachtsbaum her? Die Antworten auf diese Fragen und noch weitere Tipps für ein nachhaltiges Weihnachtsfest rund ums Essen und den Weihnachtsbaum verrate ich dir in diesem Blogbeitrag.

Teil 1: Der ökologische Weihnachtsbaum

Weihnachtsbäume gehören für uns zur Weihnachtszeit fest dazu. In den nächsten Wochen beginnt wieder überall die Jagd nach dem schönsten Baum. Wer sich an Weihnachten Gedanken um ein nachhaltiges Weihnachtsessen macht, der möchte sicher auch einen ungespritzten Weihnachtsbaum aus ökologischer Waldbewirtschaftung kaufen.

Vorweg – ich persönlich habe keinen Weihnachtsbaum zu Hause, da ich die Weihnachtfeiertage entweder immer bei den Eltern meines Freundes in Namibia verbringe oder bei meinen Eltern im Norden Deutschlands. In Namibia gibt es keinen Weihnachtsbaum so wie wir ihn in Deutschland kennen – es ist ein Dornbusch vom Farmland – also 100 % ökologisch, sieht nur etwas anders aus und piekst mehr.

Jährlich werden in Deutschland rund 25 Millionen Weihnachtsbäume verkauft (Robin Wood e. V.). Etwa 10 % Prozent davon werden importiert, besonders aus Dänemark, aber auch aus Ungarn, Österreich, Polen und Tschechien. Der größte Teil stammt aus Weihnachtsbaumkulturen. Nur etwa 15 % aller in Deutschland gehandelten Weihnachtsbäume werden noch von Waldbetrieben verkauft.

Kein Gift im Wohnzimmer: Ökologisch zertifizierte Weihnachtsbäume

Robin Wood e. V. stellt einen Überblick samt Kaufadressen der deutschen Anbieter von Weihnachtsbäumen aus ökologischer Waldbewirtschaftung oder aus ökologisch anerkannten Weihnachtsbaumkulturen zur Verfügung. Dort wirst du bestimmt auch für deine Region fündig.

Die meisten Verkaufsplätze für ökologisch zertifizierte Weihnachtsbäume gibt es in Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Bayern, Baden-Württemberg und Hessen.

Weihnachtsbäume aus anerkannt ökologischem Anbau erkennst du zum Beispiel an den Siegeln Biokreis, Bioland oder Naturland. Die Kriterien für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung bei Naturland sind der Verzicht auf Kahlschlag, Pestizide, Düngemittel und Entwässerungsmaßnahmen.

Pestizide und Düngemittel belasten nicht nur Trinkwasser, Tier- und Pflanzenwelt, sondern bilden auch Rückstände im Baum, die dann ins festlich geschmückte Wohnzimmer einziehen. 2014 stellte die Umweltschutzorganisation BUND bei einer Stichprobe fest, dass 50 % der untersuchten Weihnachtsbäume Rückstände von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat enthalten.

Auch das Siegel nach EU-Öko-Verordnung (Bio) garantiert einen Weihnachtsbaum aus ökologischem Anbau. Ökologisch zertifizierte Weihnachtsbäume aus Dänemark werden vom Generaldirektorat für Pflanzenbau kontrolliert.

Alle Naturlandbetriebe tragen zusätzlich auch das internationale Zertifikat des FSC (Forest Stewardchip Council). Es ist kein Umweltsiegel, wird aber von den meisten Umweltorganisationen weltweit als Mindeststandard einer verantwortbaren Forstwirtschaft akzeptiert.

„Fair Trees“-Label steht für faire soziale Arbeits- und Lebensbedingungen

Das „Fair Trees“-Label für Nordmann-Tannenbäume ist kein Öko-Siegel, aber ein Zeichen einer dänischen Initiative, die sich für faire soziale Arbeits- und Lebensbedingungen der Zapfenpflücker und ihrer Familien in Georgien einsetzt.

Die geernteten Samen tragen das Fair Seeds-Siegel der WFTA (World Fair Trade Organisation) und sind nach EU-Öko-Verordnung (Bio) zertifiziert. Werden aus diesen Samen Weihnachtsbäume kultiviert und pro verkauftem Baum 0,68 Euro an die Initiative gezahlt, dürfen die Weihnachtsbäume dieser Produzenten das Label der Initiative tragen.

Damit der Weihnachtsbaum 100 % ökologisch zertifiziert werden kann, müssen auch die anderen Kriterien des ökologischen Landbaus zutreffen. Ist das der Fall, ist es ein rundum geschlossener ökologischer Kreislauf von der fairen Samenproduktion bis zur Kultivierung unter ökologischen Bedingungen.

Mit Shropshire-Schafen auf Herbizide und Maschinen verzichten

Einige Weihnachtsbaumproduzenten setzen Shropshire-Schafe ein, die das wuchernde Grün um die Weihnachtsbäume kurz halten, die Nadelbäume aber in Ruhe lassen. Dadurch kann der Produzent auf den Einsatz von Herbiziden und Maschinen verzichten.

PEFC-Forstlabel ist nicht ökologisch

Bäume mit dem PEFC-Forstlabel (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) gelten nicht als ökologische zertifizierte Weihnachtsbäume. Das Label lässt den Einsatz von Pestiziden und Düngemittel ausdrücklich zu.

Teil 2: Bio-Gans oder doch lieber ein fleischloses Weihnachtsfest?

Weihnachten ist ein Fest der Liebe, der Besinnung. Wir freuen uns darauf Plätzchen zu backen, den Weihnachtsbaum zu schmücken, ein festliches Menü zu verspeisen. Nur die Weihnachtsgans freut sich nicht darauf. Jährlich landen 10 Millionen Weihnachtsgänse in deutschen Bratöfen (Deutscher Vegetarierbund). Die meisten haben bis dahin weniger als 5 Monate gelebt. Die normale Lebenserwartung liegt zwischen 10 und 20 Jahren.

Gänsefleischbedarf in Deutschland kann nicht aus eigener Produktion gedeckt werden

Die Nachfrage nach Gänsefleisch in Deutschland kann nur zu maximal 20 % aus eigener Produktion gedeckt werden. Über 75 % des hier verzehrten Gänsefleisches wird aus dem meist osteuropäischen Ausland importiert. Besonders Polen und Ungarn gehören zu den Exporteuren.

Vorsicht vor Gänsefleisch aus Frankreich, Bulgarien oder Ungarn

14 europäische Länder, darunter auch Deutschland, Österreich und Schweiz, haben Stopfverbot, allerdings ist der Import von Fettleber (Foie gras) und dem Fleisch gestopfter Tiere in Länder mit Stopfverbot erlaubt. In Polen ist die Produktion von Stopfleber zwar verboten, die Haltungsbedingungen lassen dennoch häufig zu wünschen übrig. Wenn du Gänse und Entenfleisch aus Ungarn, Bulgarien oder Frankreich kaufst, ist es nicht ausgeschlossen, dass du diese Tierquälerei unterstützt, denn dort ist das Stopfen bisher noch erlaubt.

Den Tieren wird über mehrere Wochenmehrmals täglich mit einem 50 cm langen Metallrohr ein Brei direkt in den Magen gepumpt. Dabei werden den Tieren enorme Verletzungen zugefügt, zum Teil entstehen sogar offene Löcher an der Speiseröhre, so dass aufgenommenes Wasser wieder austritt. Meistens werden hohe Dosen an Antibiotika verabreicht, damit die Enten und Gänse diese Tortur überstehen. Und das alles für ein Luxusprodukt.

Tipps für ein Weihnachten ohne Reue

  • Wenn du dir bei konventionellem Enten- und Gänsefleisch, das nicht aus einem Land mit Stopfverbot kommt, nicht sicher bist, dann lass die Finger davon. Nicht immer wird Ware mit dem Hinweis „aus Stopfleberproduktion“ gekennzeichnet. Wenn du Tiere kaufst bei denen die Innereien enthalten sind, kannst du davon ausgehen, dass diese höchstwahrscheinlich nicht gestopft wurde, wenn die Leber noch enthalten ist. Bei konventioneller Ware ist auch die Umettiketierung ein Problem, zum Beispiel, wenn die Gans in Österreich geschlachtet wurde (Herkunftsland war aber Ungarn).
  • Bestelle schon rechtzeitig vor Weihnachten bei einem regionalen Produzenten deine Weihnachtsente oder Weihnachtsgans, um sicher zu sein, dass du die Haltungsbedingungen vor Ort kennst.
  • Wem vor allem das Tierwohl wichtig ist, der sollte besser zu Biofleisch greifen.
  • Fleisch der Marke Neuland ist eine gute Option. Hier wird auch auf artgerechte Haltung und Umweltschutz geachtet. Der Preis für Neuland-Produkte liegt zwischen dem Preis konventioneller Produkte und Bioware. Hinter dem Verein Neuland stehen der Deutsche Tierschutzbund und der BUND. Allerdings gab es auch bei Neuland 2014 einen Skandal. Der wichtigste Geflügellieferant hatte zugegeben jahrelang konventionell gehaltene Tiere gekauft, geschlachtet und das Fleisch mit als mit dem Siegel konforme Ware verkauft zu haben. Der BUND als Mitbegründer des Siegels für artgerechte Tierhaltung forderte daraufhin stärkere Kontrollen von Neuland.
  • Die Klimabilanz bei Fleisch ist immer schlechter als bei Gemüse – bei Geflügel aber immer noch besser als bei Rindfleisch. Doch auch ein fleischloses Weihnachten wäre überlegenswert, wenn du nicht schon vegetarisch oder vegan lebst. Der Deutsche Vegetarierbund bietet alternative Rezepte für eine vegetarische Weihnacht, zum Beispiel der Rheinische Sauerbraten (aus Dinkel- oder Weizenseitan) mit Spätzle und Rotkohl.

Das esse ich dieses Jahr an Weihnachten

Bei mir gibt es dieses Jahr in Namibia an Heiligabend hoffentlich wieder die leckere Trüffelpastete von der Mama meines Freundes. Mmhhh, lecker. Die namibischen Trüffel werden auf dem Farmland gesammelt. Wenn es regnet, sprießen sie aus der Erde. Da die Trüffel im Vergleich zu anderen Trüffeln relativ groß sind, werden sie dort nicht als Gewürz, sondern als Gemüse verwendet. Dazu gab es die letzten Jahre eine leckere alkoholfreie Bowle. Denn in Namibia scheint zu Weihnachten die Sonne und da tut etwas Erfrischendes sehr gut!

Am ersten Weihnachtstag gibt es wahrscheinlich Gemsbockbraten. Da die Wildtiere dort in extensiver Weidewirtschaft aufwachsen und nur so viel gejagt wird wie es für den Bestand in Ordnung ist, kann ich hier von ökologischem Fleisch aus artgerechter Haltung sprechen. Diese Wildtiere haben noch nie Antibiotika gesehen und auch Düngemittel und andere Pestizide sind auf dem Farmland nicht zu finden.

Ich hoffe, dass dir der Beitrag gefallen hat und du den einen oder anderen Tipp nutzen kannst bei deinen Entscheidungen für die Vorbereitung des Weihnachtsfestes.

Schreib mir mal in die Kommentare worauf du beim Weihnachtsfest achtest, damit es ein nachhaltiges und ökologisches Fest wird.

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1 Kommentar zu “Nachhaltige Weihnachten: Weihnachtsbaum und Weihnachtsgans

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