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Kategorie: Eco Lifestyle

Warum wir alle für die Lebensmittelverschwendung verantwortlich sind

Etwa 7,3 Milliarden Menschen leben heute auf der Welt. Etwa 1 Milliarde leidet täglich Hunger, obwohl weltweit Lebensmittel für 12 Milliarden Menschen produziert werden. Der deutsche Dokumentarfilm „Taste the Waste“ von Valentin Thurn aus dem Jahr 2011 machte das Thema Lebensmittelverschwendung für das breite Publikum zugänglich. In diesem Beitrag erfährst du was wir als Endverbraucher beachten müssen, um weniger Lebensmittel wegzuwerfen.

Etwa 7,3 Milliarden Menschen leben heute auf der Welt. Etwa 1 Milliarde leidet täglich Hunger, obwohl weltweit Lebensmittel für 12 Milliarden Menschen produziert werden. Der deutsche Dokumentarfilm „Taste the Waste“ von Valentin Thurn aus dem Jahr 2011 machte das Thema Lebensmittelverschwendung für das breite Publikum zugänglich. In diesem Beitrag erfährst du was wir als Endverbraucher beachten müssen, um weniger Lebensmittel wegzuwerfen.

Der Endverbraucher muss lernen umzudenken

Die Europäische Kommission hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt bis 2020 weggeworfene Lebensmittel um 50 % zu reduzieren. Über die Strategie zur Umsetzung bin ich gespannt. Momentan reden wir viel über den Sinn oder Unsinn von Verpackungsabfällen, aber auch die unnütze Lebensmittelverschwendung muss in die Köpfe der Verbraucher. Es ist das gleiche wie mit den Plastiktüten. Nur wenn der Verbraucher im übertragenen Sinne bereit ist die krumme Gurke zu kaufen, dann erst hört dieser Lebensmittelverschwendungswahnsinn auf.

In den Supermärkten erwartet der Kunde volle Regale und eine große Warenvielfalt. Der Verbraucher ist demnach mit verantwortlich, dass der Handel ein Überangebot von Lebensmitteln vorhält. In Deutschland landen beispielsweise 25 % der Backwaren auf dem Müll, weil Supermarktketten die Filialen zum Teil dazu verpflichten bis Ladenschluss volle Regale zu haben.

Der Handel entscheidet mit seiner Beschaffungspraxis auch darüber wie viel Gemüse als unverkäuflich auf den Äckern verbleibt. Die REWE Gruppe bietet laut ihrer Webseite seit Oktober 2013 unter der Eigenmarke „Wunderlinge“ Obst und Gemüse an, dass trotz besonderem Aussehen gut in Qualität und Geschmack ist. Die krummen und eigenwillig aussehenden Kartoffeln und Möhren werden zu einem günstigeren Preis angeboten. Oft können Produzenten Gemüse und Obst, dass von der Norm abweicht im Handel sonst gar nicht verkaufen.

Interessant finde ich auch die Initiative von Bäckereien, die ihr gesamtes Sortiment an Brot, Brötchen und Kuchen zum halben Preis verkaufen. Ich selbst sehe jeden Tag eine Filiale auf dem Weg zur Arbeit in Frankfurt am Main, die diesen Service in großem Maßstab neben ihrem regulären Verkauf anbietet.

Im Sinne nachhaltigen Konsums sollte die Wertschätzung für Lebensmittel in allen Teilen der Bevölkerung gesteigert werden. Lebensmittel sind Mittel zum Leben und so sollten wir sie auch behandeln. Oft ist das Verderben von Lebensmitteln Ergebnis einer falschen Lagerung oder eines falschen Transportes.

Jedes Jahr wären in Deutschland 10 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle vermeidbar

Über 18 Millionen Tonnen Lebensmittel werden in Deutschland jährlich weggeschmissen, wovon bereits heute 10 Millionen Tonnen vermeidbar wären (WWF Deutschland, 2015). Diese 10 Millionen Tonnen sind umgerechnet mit einem Ausstoß von fast 22 Millionen Tonnen Treibhausgasen verbunden.

Von den weggeworfenen Lebensmitteln sind über 60 % auf die Wertschöpfungskette vom Produzenten bis zum Großverbraucher zurückzuführen. Etwa 40 % liegen beim Endverbraucher. Insbesondere bei Gemüse, Obst, Backwaren und Speiseresten ließen sich unnötige Abfälle vermeiden.

Insgesamt liegt die globale Lebensmittelverschwendung bei etwa 30 bis 40 % unabhängig davon, ob es sich um ein Industrieland oder ein Entwicklungsland handelt. In Südamerika, Afrika und Asien sind die Ernte-, Nachernte- und Prozessverluste tendenziell höher als zum Beispiel in Nordamerika und Europa. Je höher eine Region auf der Welt wirtschaftlich entwickelt ist, desto höher sind die Verluste beim Endverbraucher.

Ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum suggeriert uns, und ich zähle mich auch dazu, das Produkt wegzuwerfen. Oft ohne zu prüfen, ob die Milch oder der Joghurt noch genießbar sind. Warum ist es aber erst dazu gekommen, dass das Lebensmittel nicht vor diesem Datum verzehrt wurde?

Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum

Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist seit 1981 in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Der Ernährungsminister Christian Schmidt setzt sich für die Abschaffung dieses Mindesthaltbarkeitsdatums ein. Schmidt fordert, dass auf den Verpackungen ein echtes Verfallsdatum gedruckt werden soll, nach dem diese Produkte tatsächlich nicht mehr genießbar sind.

Die Hersteller kalkulieren beim Mindesthaltbarkeitsdatum zu große Sicherheitspuffer, so dass wir als Verbraucher aus Unsicherheit dazu verleitet werden Produkte schon wegzuwerfen bevor diese überhaupt schlecht sind.

In der EU werden jährlich insgesamt 89 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen, ein Großteil, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Darunter auch lange haltbare Lebensmittel wie Nudeln, Reis oder Kaffee. EU-Mitgliedsländer, darunter Schweden und die Niederlande,  wollen die Liste der Lebensmittel ausweiten, für die nach EU-Recht kein Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben werden muss.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (im Englischen: best before) sagt lediglich aus, dass bis zu dem bestimmten Tag vom Hersteller die Qualität in Farbe, Geschmack und Nährwertgehalt garantiert wird. Anders sieht es bei Frischwaren aus: Hier handelt es sich um ein Verfallsdatum (im Englischen: use by).

Viele Verbraucher haben den Bezug zu Lebensmitteln verloren. Statt ihren eigenen Sinnen zu vertrauen, verlassen sich die Verbraucher auf einen Aufdruck der Industrie. Eigentlich ist es ganz einfach: Wenn etwas schlecht riecht, ranzig schmeckt oder schimmelt, sollte man es nicht mehr essen. Früher ging es anscheinend auch ohne Mindesthaltbarkeitsdatum.

In den Industrienationen werden laut Zahlen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinigten Nationen (FAO) hauptsächlich Gemüse, Obst und Brot weggeschmissen – Lebensmittel, die ohnehin kein Mindesthaltbarkeitsdatum aufweisen müssen.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum spielt anscheinend nicht die übergeordnete Rolle bei der Lebensmittelverschwendung.

Viel entscheidender ist doch das eigene Einkaufsverhalten. Wer zuviel einkauft, verliert den Überblick und natürlich laufen dann Produkte ab, bevor wir diese überhaupt verwerten können.

Fünf einfache Tipps und Tricks, wie du in Zukunft weniger Lebensmittel wegwirfst

#Tipp 1: Am besten kaufst du nur die Produkte, die du in den nächsten zwei bis drei Tagen verzehren möchtest. Schreibe dir eine Einkaufsliste und plane dein Mittag- oder Abendessen. So vermeidest du Spontankäufe. Ich nutze als Einkaufsliste die App „Denkst du daran“. Diese ist auf mehreren Endgeräten synchron und du kannst mit jemanden zusammen einkaufen und der andere sieht was du schon in deinen Einkaufskorb gelegt hast. Das ist sehr praktisch.

#Tipp 2: Koche die Portionen so, dass du das Gericht möglichst am Zubereitungstag aufessen kannst. Aus eigener Erfahrung essen wir aufgehobene Lebensmittelreste meist nicht am Folgetag.

#Tipp 3: Obst, das bereits unschöne Stellen hat, eignet sich immer noch super für Obstsalat oder Smoothies. Eine richtig braune Banane ist zum Beispiel auch bestens für die leckersten frittierten Bananen geeignet. Erst dann haben sie die richtige Süße und schmecken genau wie im Chinarestaurant. Auch ein Bananenbrot ist umso leckerer, wenn die Bananen überreif sind.

#Tipp 4: Vertraue auf deine eigenen Sinne – riechen, schmecken, sehen. Du wirst nicht gleich an einer Lebensmittelvergiftung sterben, wenn du deine Frischmilch noch trinkst, obwohl das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist.

#Tipp 5: Verwende Abfallprodukte vom Gemüse putzen. Zum Beispiel kannst du aus den Schälresten von Spargel eine sehr leckere Spargelcremesuppe zubereiten.

Beobachte einfach einmal selbst dein Einkaufverhalten und achte darauf wie viele Lebensmittel du in die Biotonne wirfst.

Bist du für die Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums und die Verwendung echter Verfallsangaben? Welche Tipps hast du noch, um weniger Lebensmittelabfälle zu produzieren? Her damit in den Kommentaren!

Weiterführende Informationen:

Hier kommst du zur Studie vom WWF Deutschland (2015): Das große Wegschmeißen. Vom Acker bis zum Verbraucher: Ausmaß und Umwelteffekte der Lebensmittelverschwendung in Deutschland.

Die Einkaufslisten-App „Denkst du daran“ findest du hier.

Ich würde mich freuen, wenn du den Beitrag mit deinen Freunden teilst.

2 Kommentare zu Warum wir alle für die Lebensmittelverschwendung verantwortlich sind

Was ist nachhaltiger Tourismus?

Wenn ich nachhaltige Kleidung kaufen möchte, ist es leicht herauszufinden, ob die Kleidung fair und ökologisch produziert wurde und Sozialstandards eingehalten werden. Bei Reisen bin ich eher verwirrt bei der Vielzahl an Siegeln, die für nachhaltigen Ökotourismus vergeben werden.

Wenn ich nachhaltige Kleidung kaufen möchte, ist es leicht herauszufinden, ob die Kleidung fair und ökologisch produziert wurde und Sozialstandards eingehalten werden. Bei Reisen bin ich eher verwirrt bei der Vielzahl an Siegeln, die für nachhaltigen Ökotourismus vergeben werden.

Diese vielen Siegel miteinander zu vergleichen ist kaum möglich, da ganz unterschiedliche Kriterien in Frage kommen. Ich habe für dich herausgefunden welchen Siegeln für nachhaltigen Ökotourismus du vertrauen kannst.

Touristenzahlen steigen weltweit weiter an

Die Anzahl der weltweiten Touristen ist von 25 Millionen in 1950 auf 1,1 Milliarden in 2015 gestiegen. Laut der Webseite von Sustaining Tourism wird bis 2030 ein Anstieg auf 1,8 Milliarden Touristen erwartet. Gerade wegen der immer steigenden Touristenzahlen ist es wichtig, dass so viele Menschen wie möglich auf nachhaltiges, soziales und umweltverträgliches Reisen setzen.

You may never know what results come of your action, but if you do nothing there will be no result. (Mahatma Gandhi)

Ökotourismus und Naturtourismus ist nicht immer nachhaltig

Viele setzen Ökotourismus mit nachhaltigem Tourismus gleich. Heutzutage wird alles, das irgendwie grün ist als Ökotourismus vermarktet. Doch das muss nicht zwingend heißen, dass es umweltverträglich und nachhaltig ist. Manchmal ist Ökotourismus nur ein Wort, das nicht das verspricht was sich der ökologisch bewusst reisende Mensch darunter vorstellt. Auch ein bloßer Ausflug ins Grüne kann damit gemeint sein oder eben die Natur als Kulisse für eine Aktivität.

Häufig führt der Begriff Naturtourismus zu falschen Vorstellungen bei Reisenden. Schutz- und Erhaltungsziele der Natur sind hier nicht immer vorhanden.

Nachhaltiger Tourismus ist ein Ansatz, der ein Ziel für alle Tourismusformen darstellt. Eine nachhaltige Reise beginnt lange vor Reiseantritt. Ökotourismus entwickelt sich immer mehr in Richtung nachhaltiger Tourismus und wäre die ökologisch nachhaltige Umsetzung des Naturtourismus.

Verantwortungsvoll durchgeführte Beobachtungstouren in kleinen Gruppen schaden der Natur meist nicht. Kritisch zu betrachten sind Massenanstürme zum Beispiel auf eine kleine Insel, die nicht auf die hohen Besucherströme ausgelegt ist. Wenn du mehr erfahren möchtest wie sich so etwas auswirken kann, lies auch meinen Beitrag Wie du auf Reisen Menschen, Kultur und Natur schätzen kannst. Auch der Massentourismus auf Bali ist ein Beispiel für die Zerstörung der Natur durch Touristen.

Wenn ich in einem Land Urlaub mache, dann versuche ich die Besonderheiten der lokalen Küche zu entdecken. Zu vermeiden sind Importprodukte, statt dessen lieber saisonale und fair gehandelte Produkte aus ökologischem oder kleinbäuerlichen Anbau genießen. Und ruhig im Restaurant nachfragen, woher die Produkte kommen.

Viele Menschen suchen während ihres Urlaubes die Erholung im Einklang mit der Natur. Doch gerade in Touristenhochburgen ist das für die Natur oft nicht nachhaltig.

Ökotourismus heißt also, dass der Mensch Verantwortung übernehmen soll. Ein kurzer Ausflug mit der Reisegruppe in den Nationalpark und zurück erzeugt viele Emissionen. Können wir das als nachhaltig bezeichnen? Ich denke, nein. Auch inszenierte Tierschauen (Delfinarien, Walbeobachtungen) sollten wir meiden und statt dessen Schutzprojekt-Besuche in den Urlaub integrieren und die Tiere dort in Ruhe beobachten.

Ökotourismus wird laut Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) als Instrument zur Förderung der Regionalentwicklung und Unterstützung beim Schutzgebietsmanagement gesehen. Er trägt dazu bei, dass Schutzgebiete eingerichtet werden und zum Teil finanzieren sich diese Schutzgebiete auch durch die Tourismuseinnahmen.

Da nachhaltiger Tourismus nicht immer ein Urlaub in der Wildnis bedeutet, bestehen Chancen für den Massentourismus, der auch in Richtung Nachhaltigkeit verändert werden könnte. Der gute Wille ist bei vielen Reisebuchenden da und Umweltstandards auf Reisen werden für viele immer wichtiger.

Welchen Siegeln für Ökotourismus und nachhaltigen Tourismus kannst du trauen?

Vertrauenswürdige Ökotourismus-Siegel in Deutschland sind Viabono und Blaue Schwalbe. Schweden hat zum Beispiel nur ein Ökosiegel und zwar Naturens Bästa. Auf europäischer Ebene gibt es das etablierte European Ecolabel.

Ein internationaler Standard für nachhaltigen Tourismus wurde von der unabhängigen non-profit Organisation Global Sustainable Tourism Council (GSTC) entwickelt. Diese Kriterien sind Minimumanforderungen, die von nachhaltigen Hotels und Tourveranstaltern eingehalten werden sollten, um die natürlichen und kulturellen Ressourcen der Welt nachhaltig für die späteren Generationen zu erhalten. Für mehr Informationen besuche Global Sustainable Tourism Council.

Einen guten Überblick über nachhaltige Reiseveranstalter gibt es beim forum für anders reisen e. V., der nur Reiseveranstalter als Mitglied akzeptiert, die möglichst alle Punkte des umfangreichen Kriterienkatalogs erfüllen. Der Kriterienkatalog beinhaltet ökonomische, soziale und ökologische Dimensionen genauso wie die Verantwortung gegenüber den Reisenden und den Mitarbeitenden des Unternehmens.

Das Zitat von Ghandi beschreibt sehr treffend was ich denke und mit diesem Post sagen möchte: Wenn wir nichts tun, um die Natur und Menschen zu schützen und weiterhin rücksichtslos in Länder reisen, dann werden wir auch nicht wissen wie es wäre, wenn wir nachhaltigen Tourismus leben.

Für mich ist klar: Nachhaltiger Tourismus muss sich von einer Worthülse zu einer echten Aktion entwickeln.

Ich freue mich über dein Feedback in den Kommentaren. Hat dir der Beitrag gefallen? Achtest du bei deiner Reiseplanung selbst auch auf Zertifizierungen, die Nachhaltigkeit bestätigen? Habe ich etwas Wichtiges vergessen? Dann teile es mir bitte in deinem Kommentar mit.

Noch mehr zum Thema Nachhaltig reisen: Slow Travel – Wie du nachhaltiger und wertschätzender reisen kannst

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Titelbild: © Kar Tr – Fotolia.com

5 Kommentare zu Was ist nachhaltiger Tourismus?

Fünf einfache Tipps, wie du deinen Papierverbrauch senken kannst

Trotz vielfältiger Dokumentenablagesystemen ist an ein papierloses Büro in der heutigen Zeit fast kaum mehr zu denken. Warum steigen die Papierverbräuche in den letzten Jahren kontinuierlich an?

Trotz vielfältiger Dokumentenablagesystemen ist an ein papierloses Büro in der heutigen Zeit fast kaum mehr zu denken. Warum steigen die Papierverbräuche in den letzten Jahren kontinuierlich an?

Das hat sicher etwas mit dem erhöhten Internetkonsum und der E-Mail-Flut zu tun, die uns täglich an unserem Arbeitsplatz erreicht.

Recyclingpapier wäre doch eine umweltfreundliche Alternative, aber vieles sagen: „Das ist doch so grau und nicht schön. Das macht den Kopierer kaputt. Da kann man nicht mit dem Füller drauf schreiben.“ Hast du auch schon oft diese Argumente gehört? Ich habe jetzt beschlossen für unsere Abteilung Recyclingpapier zu kaufen und den Papierverbrauch zu verringern.

Für die meisten ist Papier in Deutschland ein Billig- und Wegwerfprodukt. Dabei haben manche Menschen auf der Welt nicht einmal Zugang zu Papier. Weltweit zählt Deutschland zu den Spitzenreitern im Pro-Kopf-Verbrauch. Durchschnittlich 250 Kilogramm Papier verbraucht jeder Bundesbürger pro Jahr. Ein interessanter Vergleich der Initiative Pro Recyclingpapier: Das jährlich in Deutschland verbrauchte Kopierpapier würde einen Turm von 16.000 Kilometern Höhe ergeben. Die Flughöhe der Raumstation ISS beträgt 400 Kilometer.

Recyclingpapier ist nicht öde

Recyclingpapier will nicht so richtig hip werden. Dabei spart jedes Kilogramm Recyclingpapier wertvolle Rohstoffe. Bis zu 60 % Wasser und Energie weniger braucht die Herstellung aus Altpapier. Auch die Abwasserbelastung ist geringer.

Seit den 80er Jahren hat sich auch viel getan. Recyclingpapier steht Frischfaserpapieren in nichts mehr nach. Es fühlt sich nicht rau an, die Tinte verläuft nicht und auch im Drucker bereitet es keine Probleme. Hochweiße Papiere sind ebenfalls erhältlich. Wird die Druckerfarbe entfernt und das Papier mit Kalk und Kreide gestrichen, ist kein Unterschied zum herkömmlichen Frischfaserpapier festzustellen.

Beim Kauf von Recyclingpapier nimmst du am besten zertifiziertes Papier mit dem Umweltsiegel „Blauer Engel“. Dann handelst du umweltfreundlich und schonst unsere Regenwälder.

Ich nutze im Büro das zu 100 % aus Altpapier hergestellte Recyclingpapier von dem Unternehmen Steinbeis in zwei unterschiedlichen Qualitäten – Trend White (ISO 80) und Evolution White (ISO 100).

Weniger drucken, weniger Papierverbrauch

#Tipp 1: Noch besser als Recyclingpapier zu nutzen, ist gar kein oder weniger Papier zu verbrauchen. In unserer Abteilung haben wir unsere Gemeinschaftsdrucker so eingestellt, dass beidseitiges Drucken Standard ist.

#Tipp 2: Power Point Folien – auch so ein leidiges Thema. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt? In einigen Unternehmen werden doch tatsächlich Folien in A4 ausgedruckt. Eigentlich nicht notwendig. Besser zwei Folien auf eine Seite drucken.

#Tipp 3: Tagesordnungen nicht ausdrucken, statt dessen am Anfang des Meetings an die Leinwand werfen. Du hast jedem die Tagesordnung geschickt oder im Projektordner abgelegt und gehst davon aus, dass alle wissen worum es geht. Da gleiche gilt für Offene-Punkte-Listen, Projektunterlagen, Manuskripte.

#Tipp 4: Nicht auf Flipchart-Papier schreiben. Investiere in ein White Board. Wir haben ein interaktives, das heißt wir können auch direkt das Geschriebene als PDF-Dokument speichern und direkt an alle Teilnehmer des Meetings versenden.

#Tipp 5: Viele Unternehmen haben unter ihrer E-Mail Signatur den schönen Hinweis: Bitte denken Sie an die Umwelt, bevor Sie diese E-Mail drucken. Erst denken, dann drucken. E-Mails werden gefühlt auch immer länger. Würden wir eine kürzere E-Mail-Korrespondenz in unserer Unternehmenskultur fördern und öfter zum Telefonhörer greifen, müssten wir nicht seitenweise E-Mails drucken und hätten auch eine Kommunikation mit weniger Missverständnissen und mehr Klarheit.

Noch ein Tipp zum Schluss: Unterlagen, die digital vorhanden sind, müssen nicht immer noch in einem Ordner im Aktenschrank archiviert werden.

Nun interessiert mich: Wie ist das bei dir auf der Arbeit? Druckst du einfach drauflos oder denkst du auch an die Umwelt? Ich freue mich über deine Tipps zum Thema weniger Papier im Büroalltag. Verrate es mir in deinem Kommentar.

Bitte teile den Beitrag, um viele Menschen davon zu überzeugen ihren Papierverbrauch zu senken und Recyclingpapier toll zu finden. Und damit jeder erfährt, was wir persönlich beitragen können, um weniger Ressourcen zu verbrauchen.

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Wie du auf Reisen Menschen, Kultur und Natur schätzen kannst

Viele von uns reisen gerne in andere Länder. Wir wollen andere Kulturen kennenlernen. Was heißt das eigentlich? Nachhaltig reisen? Reiseveranstalter werben oft mit sanftem oder grünem Tourismus. Aber woran erkennst du, ob dein Reiseverhalten ökologisch und für die einheimische Bevölkerung nachhaltig ist?

Viele von uns reisen gerne in andere Länder. Wir wollen andere Kulturen kennenlernen. Was heißt das eigentlich? Nachhaltig reisen? Reiseveranstalter werben oft mit sanftem oder grünem Tourismus. Aber woran erkennst du, ob dein Reiseverhalten ökologisch und für die einheimische Bevölkerung nachhaltig ist?

Stell dir eine Insel oder an einen Ort deiner Wahl vor, wo du schon immer mal hinreisen wolltest. Du bist dort Einheimischer. Was würdest du dir von den Touristen wünschen? Du würdest dir bestimmt vorstellen, dass die Touristen deine Kultur kennenlernen, in deinem Geschäft deine Souvenirs kaufen, in deinem Restaurant lecker essen oder in deiner Unterkunft übernachten.

Nehmen wir einmal die Insel Bali in Indonesien. Kuta Beach ist vergleichbar mit dem Ballermann auf Mallorca. Jedes Jahr kommen auf Bali unzählige Hotelkomplexe hinzu. Manche Menschen kommen nach Kuta Beach, um ausgelassen Party zu machen und hinterlassen eine Menge Müll am Strand.

Würden diese Menschen das auch in ihrem Heimatort machen? Sicher nicht. Die Balinesen kommen nicht hinterher diesen Müll zu beseitigen. Dadurch wird der Strand und das Meer an manchen Stellen in Bali über kurz oder lang für bestimmte Menschen unattraktiv. Das wiederum führt zu weniger Touristen, denn nicht jeder mag im Abfall schwimmen.

Anderes Beispiel aus Thailand: Die Insel Tachai im Similan Nationalpark nordwestlich von Phuket war ein Paradies für Taucher. Einst gab es auf der nur zwölf Quadratkilometer großen Insel makellose Strände und unberührte Natur. Nun ist Tachai für Besucher gesperrt.

Von Mai bis Oktober schließt der Nationalpark sowieso wegen der Monsun-Saison. Aber 2016 durfte auch im Oktober kein Tourist mehr auf die Insel. Die Natur wurde massiv zerstört von den Touristen. Die Strände sind nur für ein paar Hundert Menschen ausgelegt. Es kamen in den letzten Jahren aber Tausende auf die Insel. Nun muss sich die Natur vom Menschen erholen.

Und so könnte ich weitere verheerende Beispiele über Zerstörung von Natur durch Tourismus aufzählen. Doch das bringt uns nicht weiter. Was will ich dir damit sagen? Bei deinen nächsten Reiseplanungen beziehe die Bevölkerung des Landes, die Kultur und die Natur stärker mit ein. Wir sollten uns in einem anderen Land genauso verhalten wie wir es uns zum Beispiel von Gästen auf unserem eigenen Gartengrundstück wünschen.

Der ethnisch korrekt und bewusst reisende Tourist möchte Land und Leute so natürlich wie möglich erfahren. Deine Unterkunft sollte keine Belastung für die Umwelt darstellen. Spüre die Natur und handle ausnahmslos umweltfreundlich. Nutze einheimische Transportmittel- und Wege. Auch zukünftig sollte an bisher wenig touristisch erschlossenen Orten keine extra Infrastruktur geschaffen werden. Denn gerade diese Unberührtheit macht doch Ökotourismus aus, oder?

Noch ein Tipp: Klar kannst du auf deiner Reise auch ein paar schöne und wertvolle Souvenirs kaufen, aber zahle auch einen angemessenen Preis an die Einheimischen.

Hat dir der Beitrag gefallen? Schreib mir doch was Ökotourismus für dich bedeutet? Welche Erfahrungen hast du auf deinen Reisen gemacht? Wo gibt es sanften Tourismus noch?

Ich würde mich auch sehr freuen, wenn du meinen Beitrag mit deinen Freunden teilst.

Titelbild: © Alena Ozerova – Fotolia.com

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10 Wege, die deinen ökologischen Fußabdruck verringern

Unsere täglichen Konsum-, Ernährungs- und Lebensgewohnheiten beeinflussen unseren ökologischen Fußabdruck. Die Frage, die ich mir stelle: Gibt es eine einzig wahre Lebensweise, die als nachhaltig betrachtet werden kann? Wie kann jeder Einzelne der Gesellschaft dazu beitragen, dass wir nachhaltiger mit den Ressourcen auf der Welt umgehen?

Unsere täglichen Konsum-, Ernährungs- und Lebensgewohnheiten beeinflussen unseren ökologischen Fußabdruck. Die Frage, die ich mir stelle: Gibt es eine einzig wahre Lebensweise, die als nachhaltig betrachtet werden kann? Wie kann jeder Einzelne der Gesellschaft dazu beitragen, dass wir nachhaltiger mit den Ressourcen auf der Welt umgehen?

Ich will in diesem Beitrag nicht darüber schreiben, ob Veganer und Vegetarier besser und nachhaltiger leben als Menschen mit anderen Ernährungsgewohnheiten, auch wenn das in den ersten Absätzen vielleicht so verstanden wird. Der virtuelle Wasserverbrauch wird bei Menschen, die Vegetarier sind oder vegan leben, auf jeden Fall geringer sein. Menschen essen aus verschiedenen Gründen kein Fleisch. Bei meinen Recherchen sind mir viele Vorurteile und oft auch extreme Einstellungen und Dogmatisierungen aufgefallen sowohl bei Fleischessern als auch bei Nicht-Fleischessern.

Mir geht es hier aber gar nicht darum zu sagen welche Ernährungsform nachhaltiger und tierschutzrechtlich besser ist, sondern ich möchte das Thema Alltags-Nachhaltigkeit im Ganzen betrachten, sozusagen den Mix an Maßnahmen, um den ökologischen Fußabdruck nachhaltig zu beeinflussen. Am besten lässt sich die eigene Nachhaltigkeit über den CO2- Fußabdruck und den Wasser-Fußabdruck abbilden.

Hohe Virtuelle Wasserverbräuche bei der Produktion von tierischen Produkten

In Deutschland gibt es rund 7,8 Millionen Vegetarier und 900.000 Veganer (VEBU, 2015). Das entspricht insgesamt einem prozentualen Anteil von zusammen 11,1 %. 1983 lebten nach einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg nur 0,6 % der Bevölkerung vegetarisch. Der Trend zum Vegetarismus und Veganismus steigt seit den letzten 20 Jahren an.

Dennoch sind laut einer Studie der Universitäten Göttingen und Hohenheim 75,1 % der Deutschen „unbekümmerte Fleischesser“, die nicht vorhaben ihren Konsum einzuschränken. Der durchschnittliche Fleischkonsum beträgt etwa 60 Kilogramm Fleisch pro Jahr, das sind mehr als 1 Kilogramm pro Woche. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) empfiehlt allerdings nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche zu essen.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Wasserverbrauch für die Fleischproduktion viel höher liegt als bei pflanzlichen Nahrungsmitteln. So beträgt laut dem Water Footprint Network der weltweite durchschnittliche Wasserfußabdruck für ein Kilogramm Schweinefleisch 5.988 Liter. Bei Rindfleisch sind es unglaubliche 15.400 Liter Wasser pro Kilogramm, dass für die Produktion benötigt wird, darin ist auch der Wasserverbrauch, der für den Anbau des Futters benötigt wird, eingerechnet. Daher sprechen Fachleute vom virtuellen Wasserverbrauch, der indirekt für die Herstellung eines Produkts anfällt.

Im Vergleich zu tierischen Produkten werden für ein Kilogramm Kartoffeln nur 287 Liter Wasser verbraucht. Bei der Reisproduktion werden 2.497 Liter pro Kilogramm benötigt und für ein Kilogramm getrocknete Nudeln fallen 1.849 Liter virtuelles Wasser an.

Für eine Tasse Kaffee werden durchschnittlich 132 Liter Wasser verbraucht und ein T-Shirt aus Baumwolle (Gewicht 250 Gramm) schlägt mit 2.495 Liter zu Buche. Die Herstellung eines Autos verbraucht gemäß Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V. unglaubliche 400.000 Liter Wasser.

Jetzt kann jeder sich selbst überlegen, ob sein virtueller Wasserverbrauch nachhaltig ist oder nicht.

CO2-Fußabdruck durch Verhaltensänderungen beeinflussen

Der CO2-Fußabdruck stellt die Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Produkten und Aktivitäten dar. Am besten lassen sich CO2-Emissionen durch Verhaltensänderungen verringern. Wer aber zum Beispiel sein Auto nicht abschaffen kann oder viele Flugreisen machen will oder muss, der kann seinen CO2-Ausstoß auf den Webseiten von Greenmiles oder myclimate Deutschland berechnen. Mit einem den Emissionen entsprechenden finanziellen Beitrag kann man dann weltweit Klimaschutzprojekte mit unterstützen.

Da ich Plastik vermeide, habe ich mir die Klimabilanz genauer angeschaut. Kunststoffverpackungen haben überraschenderweise nur einen Anteil von 0,6 % des durchschnittlichen ökologischen Fußabdruckes eines europäischen Konsumenten. Das Ergebnis wurde in einer von denkstatt im Jahr 2011 publizierten Studie „Die Auswirkungen von Kunststoffen auf Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen in Europa“ veröffentlicht. Die höchsten Anteile haben der Studie nach Konsum (24 %) gefolgt von Heizung (18 %), Ernährung (15 %) und Pkw (14 %).

Die Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) hat in einer Untersuchung den ökologischen Fußabdruck verschiedener Urlaubszielorte pro Person ermittelt und 2009 den Bericht „Der touristische Klima-Fußabdruck“ herausgegeben. Bei einem All-Inclusive-Urlaub in Mexiko (Flugzeug, 14 Tage, 2 Personen) werden pro Person und Tag 515,6 kg CO2 emittiert, während bei einem Familienurlaub auf Rügen (Pkw, 14 Tage, 4 Personen) pro Person und Tag nur 18,4 kg CO2 anfallen.

Mein Wunsch ist, dass du dich bewusster damit auseinandersetzt wie dein eigenes Verhalten die Umwelt beeinflusst. Ich bin der Auffassung, dass von allem etwas weniger zu einer nachhaltigeren Lebensweise führt.

Ich möchte dir nun meine 10 Wege oder meine Ziele zu mehr Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben. Es sind Wege und keine Regeln. Wege müssen nicht gegangen werden. Wenn du aber diese Wege gehst, dann trägst du zum nachhaltigen Erhalt unserer Erde bei.

10 Wege wie du deinen ökologischen Fußabdruck verringern kannst

  1. Öfter regio-saisonale frische Produkte kaufen, weniger Convenience Food und Tiefkühlprodukte konsumieren
  2. Bewusst für Bio-Qualität entscheiden
  3. Wenig oder gar keine tierischen Produkte essen
  4. Lebensmittel nicht wegwerfen und am besten nur die Mengen kaufen, die auch verzehrt werden können, mache auch den Lebensmittelhandel darauf aufmerksam, Verschwendung zu vermeiden
  5. Weniger Konsum ist oft mehr, kaufe anstatt neuer Produkte auch ab und zu Second-Hand-Produkte, kaufe Fair Trade
  6. Nehme öfter mal den Bus, die Bahn oder das Fahrrad anstatt dein Auto
  7. Wähle auch mal Reiseziele in deiner Nähe und informiere dich über die Umweltkriterien für Hotels und Verkehrsmittel
  8. Kurzstreckenflüge belasten die Umwelt
  9. Konsumfreie Hobbys wie zum Beispiel Wandern oder Fahrradfahren sind nachhaltig und machen Spaß
  10. Unverpackte Lebensmittel kaufen spart viel Müll, vermeide auch Kleinportionspackungen
Mein Mini-Nutzgarten auf dem Balkon ist auch nachhaltig Urheber: Anja Blumschein

Mein Mini-Nutzgarten auf dem Balkon ist auch nachhaltig
Urheber: Anja Blumschein

Es gibt sicher noch viel mehr, womit du deinen ökologischen Fußabdruck verringern kannst. Was fällt dir noch ein? Verrate es mir bitte in deinem Kommentar.

Weiterführende Informationen:
Informiere dich über die Umweltauswirkungen von Urlaub und Reisen im WWF-Bericht „Der touristische Klima-Fußabdruck“.

Berechne doch mal deinen persönlichen CO2-Ausstoß. Du kannst das auf der Webseite von KlimAktiv machen. Zum Vergleich wird dir immer der deutsche Durchschnitt angezeigt.

Auf der Webseite des Water Footprint Networks kannst du deinen persönlichen Wasser-Fußabdruck berechnen.

Möchtest du mehr über den virtuellen Wasserverbrauch erfahren? Dann gefällt dir vielleicht die Broschüre „Der Wasser-Fußabdruck Deutschlands“ vom WWF.

Wie hoch ist dein CO2-Fußabdruck und dein Wasser-Fußabdruck? Wie möchtest du deinen persönlichen Fußabdruck verringern oder ist deiner schon niedriger als der Durchschnitt? Lass es mich wissen. Ich freue mich auf deine Kommentare.

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1 Kommentar zu 10 Wege, die deinen ökologischen Fußabdruck verringern

Papiertüten & Co – Verschiebung der Ressourcenverschwendung?

Es bewegt sich etwas in Deutschland und es ist ein Anfang. Plastiktüten sollen verschwinden. Doch löst das wirklich die Umweltprobleme? Alternativen zu Plastiktüten sind im Vergleich nicht immer ökologischer. Der Anteil der Plastiktüten macht nur einen Bruchteil der Kunststoffabfälle aus. Ist nicht generell der Plastikkonsum bei Verpackungen das Problem?

Es bewegt sich etwas in Deutschland und es ist ein Anfang. Plastiktüten sollen verschwinden. Doch löst das wirklich die Umweltprobleme? Alternativen zu Plastiktüten sind im Vergleich nicht immer ökologischer. Der Anteil der Plastiktüten macht nur einen Bruchteil der Kunststoffabfälle aus. Ist nicht generell der Plastikkonsum bei Verpackungen das Problem?

REWE nimmt ab Juli Plastiktüten aus dem Sortiment. Das klingt zunächst klasse. Dann gibt es nur noch Papiertüten, Baumwollbeutel und stabile Mehrwegtragetaschen aus Recyclingmaterial. Der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) und Umweltministerin Barbara Hendricks freuen sich über die Entscheidung, das REWE Plastiktüten aus dem Sortiment nehmen will. Hendricks gibt aber auch zu, dass „Papiertüten ökologisch gesehen nicht unbedingt besser dastehen“, es ginge ihr aber um das Signal. REWE wird bereits seit 2009 vom NABU in Sachen Nachhaltigkeitsmanagement beraten und begleitet.

Wichtig ist jetzt, dass die Verbraucher nicht bei jedem Einkauf einen Baumwollbeutel kaufen oder eine Papiertüte, denn damit ist ökologisch gesehen keine Besserung in Sicht. Einer Befragung der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) nach verwendeten 2014 bereits 40 % der befragten Deutschen Einkaufskörbe, Klappkisten und wiederverwendbare Taschen. 37 % tätigten die Einkäufe mit einer Plastiktüte, die schon einmal benutzt wurde. Papiertüten wurden von 3 % der Befragten genutzt und Plastiktüten im Erstgebrauch machten einen Anteil von 9 % aus.

Das bedeutet im Umkehrschluss, wenn der Verkauf von Papiertüten und Baumwollbeuteln steigen würde, wird sich auch die Ökobilanz verschlechtern, da für die Herstellung der oben genannten Alternativen viel mehr Energie und Wasser benötigt wird. Erst nach mehrmaligem Tragen schneiden Papiertüten und Baumwollbeutel besser ab als Plastiktüten.

Papiertüten verbrauchen mehr Energie, Wasser und Chemikalien

Bei der Herstellung von Papiertüten wird 17 mal mehr Wasser benötigt als bei der Herstellung der gleichen Menge Plastiktüten. Auch hinsichtlich des Energieverbrauchs schneiden Papiertüten wesentlich schlechter ab. Die deutlich höhere Belastung von Luft und Wasser bei der Herstellung stellt ebenfalls ein Problem dar, da mehr Chemikalien zum Einsatz kommen, mit denen die Zellstofffasern behandelt werden. Auch die Wiederverwendbarkeit von Papiertüten ist fraglich, da diese weniger reißfest und wasserbeständig sind als andere Materialien.

Warum auch biobasierte Tüten nicht besser sind als Plastiktüten aus fossilen Rohstoffen

Zunächst erscheint die Verwendung „kompostierbarer“ Plastiktüten ökologischer. Doch so einfach ist das nicht. Die erste Gefahr bei kompostierbaren Tüten ist, dass diese die Menschen dazu verleiten könnten, die Plastiktüten in die Natur zu werfen, da sie ja verrotten.

Zudem werden in deutschen Kompostierwerken die Bioplastiktüten, die du vielleicht von Müllbeuteln kennst, genau wie anderes Plastik aussortiert und kommen in die Müllverbrennung. Das Bioplastik kann bei dem Verrottungsprozess einfach noch nicht mithalten – und einen Humus mit Plastikbestandteilen möchte niemand kaufen, denn die biobasierten Tüten bestehen meist nur zu einem Teil aus nachwachsenden Rohstoffen. Problematisch ist auch der Maisanbau, denn diese Tüten werden oft aus Maisstärke hergestellt. Aldi und REWE haben daher auch auf Drängen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ihre Biotüten aus dem Sortiment genommen.

Baumwolltasche bei der Herstellung hohe Kohlendioxidemissionen

Eine Untersuchung der Federal Laboratories Material Testing und Research der Eidgenössischen Hochschule Zürich ergab, dass bei der Produktion einer Baumwolltasche 1.700 Gramm Kohlendoxid freigesetzt werden, während bei der Produktion einer Papiertüte nur 60 Gramm Kohlendioxid und bei einer Plastiktüte aus Neugranulat 120 Gramm freigesetzt werden.

Wie man es dreht und wendet, der gute alte Einkaufskorb ist vermutlich die umweltfreundlichste Alternative. Für Spontankäufe habe ich immer einen Jutebeutel von der Marke Westford Mill dabei. Dieser Jutebeutel ist, glaube ich, kein Fair Trade Produkt, aber Westford Mill bietet auch andere Beutel mit dem Siegel Fair Trade an. Er hält schon fast zwei Jahre, tut seine Dienste und ist aufgrund der langen Einsatzzeit auch viel ökologischer als die Einwegplastiktüte.

Plastiktüten haben nur einen geringen Anteil am Kunststoffverbrauch in Deutschland

Der Anteil der Plastiktüten am gesamten Kunststoffverbrauch in Deutschland beträgt gerade einmal 0,7 %. Das Verbot von Plastiktüten ist laut Spiegel Online sozusagen eher Symbol eines Problems als Hauptverursacher. Die EU-Mitgliedsstaaten verpflichten sich den Pro-Kopf-Verbrauch auf durchschnittlich 90 Plastiktüten zu senken. Somit erfüllt Deutschland die Vorgabe für 2019 bereits heute – der Verbrauch in Deutschland liegt bei 71 Tüten pro Jahr. Bis 2026 soll der Verbrauch auf 40 Tüten pro Kopf reduziert werden. Du kannst viele Einzelheiten zum Plastiktütenverbrauch, auch in anderen Ländern, in einem vorherigen Beitrag von mir nachlesen.

Plastik ist ein Entsorgungsproblem

Fakt ist, dass wir nur mit dem Verbot von Plastiktüten und der möglicherweise drohenden Verschiebung der Ressourcenverschwendung nicht das erreichen werden was wir eigentlich wollen – die Umwelt entlasten. Es sollte über Alternativen für sämtliche Verpackungen nachgedacht werden. Viele Lösungen sind bereits einfach umzusetzen, zum Beispiel in der Obst- und Gemüseabteilung. Hier kann auch auf wiederverwendbare Beutel gesetzt werden, denn die Hemdchenbeutel werden oft weggeschmissen.

Warum nicht auch mehr Unverpackt-Lösungen mit Spendern für Grundnahrungsmittel wie Müsli, Nüsse, Reis und Nudeln? Die Händler könnten von den Produzenten die Produkte in Großmehrwegbehältern kaufen. Aber da sind sicher noch viele Hürden zu meistern. Lernen können die großen Supermärkte auf jeden Fall von den kleinen Unverpackt-Läden, die es mittlerweile fast in jeder Großstadt gibt.

Also schnapp dir zum Einkaufen ab sofort deinen Fair Trade produzierten Biobaumwollbeutel oder deine Jutetasche oder deinen Rucksack und nutze diese möglichst sehr lange. Über die dramatischen Folgen des Baumwollanbaus habe ich übrigens in einem vorherigen Beitrag berichtet.

Was denkst du über das komplette Verbot von Plastiktüten? Hast du dir schon Gedanken darüber gemacht? Denkst du, dass wir die Verantwortung abgeben können und uns ausruhen dürfen, da wir alle keine Plastiktüten mehr verwenden? Ich freue mich auf deine Meinung. Schreib sie mir in deinem Kommentar.

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1 Kommentar zu Papiertüten & Co – Verschiebung der Ressourcenverschwendung?

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