Blog Umwelt und Nachhaltigkeit. Ökologischer Lifestyle und recherchierte Informationen. Dein Nachhaltigkeitsblog mit vielen Tipps für den Alltag.

Schlagwort: Palmöl

Die Liebe zum Licht – Gibt es natürliche und ökologische Kerzen?

Jetzt wo die Adventszeit wieder beginnt habe ich mir die Frage gestellt, welche Kerzen ökologisch sind und worauf du beim Kauf achten kannst, um der Umwelt nicht zu schaden. Früher wurden Kerzen neben Fackeln, Öl- und Talglampen zur Beleuchtung genutzt.

Jetzt wo die Adventszeit wieder beginnt habe ich mir die Frage gestellt, welche Kerzen ökologisch sind und worauf du beim Kauf achten kannst, um der Umwelt nicht zu schaden. Früher wurden Kerzen neben Fackeln, Öl- und Talglampen zur Beleuchtung genutzt. Nach wie vor werden Kerzen heute in der Kirche, im Haus und an Festen verwendet, um eine feierliche oder besinnliche Atmosphäre zu schaffen.

Rund 654.000 Tonnen Kerzen verbrauchen die Europäer pro Jahr. Aus dem Branchenbericht Herbst/Winter 2015 der ECA (European Candle Association) geht hervor, dass statistisch gesehen jeder EU-Bürger etwa 1,3 Kilogramm Kerzen kauft. Überwiegend werden die Kerzen aus Paraffin und Stearin hergestellt.

Teelichter liegen in der Beliebtheitsskala weit vorn. Rund acht Millionen Stück werden jedes Jahr verkauft. Besonders stören mich immer die Aluminiumummantelungen. Hier gibt es bereits gute Alternativen – wiederverwendbare Edelstahl- oder Glastöpfchen. Die Teelichter selbst werden dann lose gekauft.

Spitzenreiter beim Kerzenabsatz dürfte ein schwedisches Möbelhaus sein. Jede fünfte verkaufte Kerze in Deutschland geht dort laut Expertenschätzungen über die Ladentheke.

Problematisch: Erdöl auf dem Adventskranz

75 % der handelsüblichen Kerzen bestehen aus Paraffin, einem Erdölprodukt. Deshalb sind diese Art von Kerzen nicht nachhaltig. Der Klimakiller Erdöl ist eine endliche Ressource und zudem nicht biologisch abbaubar.

Stearinkerzen lassen den Regenwald brennen

Stearinkerzen werden häufig als ökologisch bezeichnet. Da Stearinkerzen zumeist aus nachwachsenden Rohstoffen und nicht aus Erdöl hergestellt werden, sind diese auf den ersten Blick auch ökologischer als Paraffinkerzen. Doch bei den vermeintlichen Biokerzen werden oft hochwertige Palm- und Kokosöle verwendet.

Für den Anbau riesiger Palmölplantagen werden ganze Landstriche in den zwei Hauptanbauländern, Indonesien und Malaysia, brandgerodet. Orang-Utans und Sumatra-Tiger verlieren ihren Lebensraum. Die Böden werden durch den Anbau von Palmölpflanzen schnell ausgelaugt. Auf diesen Böden wächst dann nur noch minderwertiger Sekundärwald. Diese Flächen sind für Jahrhunderte verloren. Lies auch meinen Beitrag über Palmölanbau und dessen sozio-ökologische Auswirkungen.

Kerzen aus gentechnikfreiem Rapsöl, Sojaöl und Sonnenblumenöl

Es gibt mittlerweile Kerzen aus gentechnikfreiem Soja-, Raps- oder Sonnenblumenöl, die ich mehr als Paraffin- oder Stearinkerzen (aus Palmöl) empfehlen würde. Positiv ist auch, dass Raps und Sonnenblumen einheimische Pflanzen sind. Dennoch stellt sich auch hier die Frage, ob wir eigens für die Herstellung von diesen Kerzen Pflanzen anbauen wollen und damit Flächen für die Nahrungs- und Futtermittelproduktion verschwenden. Ähnlich wie beim Biodiesel sieht die Ökobilanz bei Raps zum Beispiel nicht viel besser aus.

Bienenwachskerzen sind nicht umweltfreundlicher und nachhaltiger

Im Gegensatz zu Paraffin ist Bienenwachs ein echtes Naturprodukt. Deswegen gilt die Bienenwachskerze nach wie vor als „Ökokerze“ schlechthin. Am besten du verzichtest ganz auf Bienenwachskerzen, denn leider reicht die Menge an Bienenwachs bei weitem nicht aus, um den Bedarf an Kerzen zu decken.

Eine Biene produziert in ihrem Leben nur wenige Milligramm Wachs. Deshalb müssen 150.000 Bienen arbeiten, um 1 Kilogramm Wachs zu erzeugen. Bienenwachs ist ein kostbarer und teurer Rohstoff.

Weniger ist oft mehr und wenn du einfach nur zu bestimmten Anlässen deine Kerzen anzündest, kannst du den Produktwert noch mehr schätzen. Wenn es schon die Bienenwachskerze sein muss, dann von einem Imker aus der Region, der nachhaltige und artgerechte Imkerei betreibt.

In Drogerie- und Supermärkten werden Bienenwachskerzen verkauft, deren Bienenwachs zum Teil aus China, Südamerika oder Südafrika stammt. Die langen Transportwege wirken sich negativ auf die Ökobilanz aus und wie können wir uns in diesen Ländern der artgerechten Bienenhaltung sicher sein?

Sei sparsam und verwende nur wenige Kerzen

Sparsamkeit ist wahrscheinlich die Zauberformel. Auf Paraffinkerzen aus Erdöl und Stearinkerzen aus Palm- oder Kokosöl würde ich verzichten. Ich würde sogar so weit gehen auch keine Stearinkerzen aus Biopalmöl zu kaufen, da ich die Zertifizierungen hier auch nicht immer nachvollziehen kann und trotzdem Landflächen für die wilden Tiere gerodet werden.

Die Zertifizierungsstelle RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil) ist bei einigen Umweltorganisationen auch in die Kritik geraten. Kerzen aus Rapsöl oder Sonnenblumenöl würde ich zu bestimmten Anlässen kaufen, aber nur in sehr geringen Mengen.

Verglichen mit einer Paraffin- oder Stearinkerze finde ich eine Bienenwachskerze nicht ökologischer. Bevor ich eine Bienenwachskerze kaufe, würde ich lieber zu einer Rapsöl- oder Sonnenblumenölkerze greifen.

Seit einigen Jahren gibt es LED-Kerzen, die zwar in Punkto besinnliche Kerzenatmosphäre nicht ganz mit den anderen Kerzen mithalten können, aber dennoch meist sehr schön aussehen. Wäre zumindest eine wiederverwendbare Alternative.

Aus alten Wachsresten lassen sich Kerzen auch selber gießen. Frag doch mal in der Kirche deiner Gemeinde nach, ob du die Wachsreste bekommen kannst. Manche Kirchen gießen selbst Kerzen daraus, aber ich habe schon einmal eine große Kiste voller Wachsreste bekommen. Wenn die Wachsreste farblich gemischt sind, lassen sich daraus nicht unbedingt schöne Kerzen gießen. Aber du kannst tolle Fackeln für den Sommer daraus bauen.

Nochmal das Wichtigste zusammengefasst:

  • Im ökologischen Vergleich schneiden Paraffin-Kerzen nicht unbedingt schlechter ab als Kerzen auf Basis nachwachsender pflanzlicher Rohstoffe.
  • Auf Stearin-Kerzen aus Palmöl solltest du besser verzichten.
  • Beim Teelichterkauf keine aluminiumummantelten Teelichter kaufen, sondern lose Teelichter und wiederverwendbare Edelstahl- oder Glastöpfchen.
  • Für das reine Gewissen: Beim Kauf von Bienenwachskerzen darauf achten bei einheimischen Imkern zu kaufen, die eine nachhaltige und artgerechte Bienenhaltung garantieren.
  • Kerzenreste nicht wegwerfen, sondern wiederverwenden.

Ich wünsche dir eine schöne Adventszeit und ab und zu ein Lichtlein anzünden ist in Ordnung. Ich wollte in diesem Beitrag in erster Linie darauf aufmerksam machen, wie sehr wir mit dem Kauf von Kerzen auch der Umwelt schaden können.

Schreib mir mal unten in die Kommentare, ob dir der Beitrag weitergeholfen hat und welche Kerzen du verwendest. Welche Alternativen kennst du noch und worauf achtest du beim Kauf von Kerzen?

Bitte teile den Beitrag auch mit deinen Freunden, wenn er dir gefällt.

3 Kommentare zu Die Liebe zum Licht – Gibt es natürliche und ökologische Kerzen?

Ist Kokosöl eine ökologische Alternative zu Palmöl?

Kokosöl ist ein wahrer Alleskönner, wenn man den Medien glaubt. Selbstgemachte Beauty-Produkte mit Kokosöl werden immer beliebter: Da werden Cremes mit Kokosöl angerührt und Deos hergestellt. Auch zum Braten, Backen und Zubereiten von Süßspeisen eignet sich Kokosöl. Es verleiht Gerichten eine leichte exotische Note. Kann ich Kokosöl eigentlich unbedenklich einsetzen?

Kokosöl ist ein wahrer Alleskönner, wenn man den Medien glaubt. Selbstgemachte Beauty-Produkte mit Kokosöl werden immer beliebter: Da werden Cremes mit Kokosöl angerührt und Deos hergestellt. Auch zum Braten, Backen und Zubereiten von Süßspeisen eignet sich Kokosöl. Es verleiht Gerichten eine leichte exotische Note. Kann ich Kokosöl unbedenklich einsetzen?

Der Kokosölmarkt  boomt

Es ist überall erhältlich und wird in vielen Produkten als Ersatz für Palmöl verwendet. Sogenannte Superfoods können heilen und es heißt viel hilft viel. Doch die Wirkung von Gojibeeren, Kokosöl, Maca und Chiasamen kann durch andere Lebensmittel genauso erzielt werden. Das wissen nur viele nicht und lassen sich von der Werbung leiten. Genauso wirkungsvoll wie Chiasamen sollen zum Beispiel Leinsamen sein.

Viele Menschen, die bewusst nachhaltig leben wollen, stellen sich die Frage, ob Kokosöl ökologischer ist als Palmöl.

 

„Von zwei Übeln, wird niemand das größere wählen, wenn er das kleinere wählen kann.“ (Platon, griechischer Philosoph)

 

Kokosöl wird auch in den Tropen angebaut

Kokosöl ist ein pflanzliches Öl, das aus dem getrockneten Nussfleisch (Kopra) gewonnen wird. Ursprünglich stammt Kokosöl aus Indonesien, den Philippinen, Indien, Sri Lanka, Malaysia und Papua-Neuguinea. Hierzulande ist es zu einem Hype geworden und die Nachfrage nach Kokosöl steigt. Der Transport nach Europa verursacht enorme CO2-Emissionen.

Noch wird Kokosöl meist von Kleinbauern angebaut, während Palmölpflanzen auf großen Monoplantagen angebaut werden. Für diese Monokulturen werden seit Jahrzehnten Regenwälder, oft illegal, abgeholzt oder abgebrannt. Indigene Völker und vom Aussterben bedrohte Tierarten, wie der Orang Utan, der Sumatra-Tiger oder der Malaienbär werden aus ihrem Lebensraum verdrängt.

Der Malaienbär aus Südostasien ist vom Aussterben bedroht – Schuld ist die Papier-, Holz- und Palmölindustrie © Martina Berg – Fotolia.com

Laut Rettet den Regenwald e. V. brannten 2015 etwa 17.000 Quadratkilometer Regenwald auf Borneo und Sumatra. 25 Millionen Menschen leben dort. In der Trockenzeit Ende 2015 war die Schadstoffpartikelkonzentration 90 mal höher als von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen. Rettet den Regenwald e. V. sammelt Unterschriften, um die Bundesregierung aufzufordern die fatale Biospritpolitik zu beenden. Bis 2020 sollen unsere Autos mit 7 % Biosprit fahren. Aktuell enthält jede Tankfüllung durchschnittlich fünf Prozent. Bitte unterschreibt die Petition, damit die Regierung endlich aufwacht!

Palmöl ist das mit Abstand billigste Pflanzenöl auf dem Weltmarkt. Der größte Palmölproduzent ist Indonesien: Hier wurden bereits viele Millionen Hektar Regenwald vernichtet.

Was würde mit dem Ökosystem passieren, wenn die Nachfrage nach Kokosöl steigt, so dass immer mehr Monokulturen angebaut werden müssten? Der Palmölanbau steigt stetig an. Wenn auch noch der Kokosölanbau rapide ansteigt, werden weitere Flächen für die Monokulturplantagen benötigt.

Wer bewusst lebt, möchte sich vielleicht Beauty-Produkte selbst herstellen, um zu wissen welche Inhaltsstoffe enthalten sind. Doch in vielen Rezepten kommt Kokosöl vor, weil man das „böse“ Palmöl nicht verwenden will.

 

Kokosöl wird als Superfood und Wundermittel von der Werbung angepriesen

Im Internet wird von dem vermeintlichen Wundermittel Kokosöl gesprochen, vielseitig einsetzbar. Da wird Kokosöl in vielerlei Funktion angepriesen: Als das perfekte Nahrungsergänzungsmittel aufgrund der Reichhaltigkeit an lebenswichtigen Vitaminen und Mineralien, als die geschmeidigste Hautpflege, als Wundermittel gegen Hautalterung, als Lederpflege und als Mittel, das Bakterien abtötet und zu weißeren Zähnen verhilft. Nur frage ich mich, können diese Wirkungen nicht auch von einheimischen Ölen erzielt werden?

Beim Palmöl halte ich es persönlich so, dass ich niemals Produkte kaufe, die dieses enthalten, auch keine Produkte, die Palmöl aus ökologisch zertifiziertem Anbau versprechen. Ich hatte endlich einen Schokoaufstrich im Supermarkt vom Feinkosthändler Grashoff gefunden, der kein Palmöl enthält und sehr lecker ist.

Gerade habe ich mir nochmal die Zusammensetzung angesehen: Shea-, Raps- und Kokosnussöl. Selbst herstellen ist wahrscheinlich doch am besten. Ich kann mich daran erinnern, dass meine Mutter früher Schokoaufstrich mit Haselnüssen, Schokolade und Vollmilchpulver gemacht hat. Das war so unschlagbar lecker. Leider gibt es das Rezept nicht mehr.

Auf den Philippinen wird Biotreibstoff aus Kokosöl staatlich gefördert und in hohem Maße produziert. Die Nachfrage steigt stetig. Die Organisation Rettet den Regenwald schreibt auf ihrer Internetseite folgendes: „Doch nicht nur die Erzeugung von Palmöl hat katastrophale Auswirkungen auf die Natur und das Leben der Menschen in den Regenwaldländern. Auch andere tropische Pflanzenöle wie Kokosfett und Sojaöl sind genauso schädlich…Rettet den Regenwald fordert deshalb ein generelles Importverbot für Palm-, Kokos- und Sojaöl. Die für den europäischen Bedarf benötigten Pflanzenöle können und sollten auf heimischen Äckern angebaut werden.“

Für mich ist damit die Frage beantwortet. Kokosöl stellt für mich keine Alternative zu Palmöl dar, auch wenn das Internet häufig etwas anderes suggeriert.

Leinöl, Kürbiskernöl, Distelöl und Hanföl werden in Europa produziert und können aus meiner jetzigen Sicht bedenkenlos verwendet werden.

Welche Pflanzenöle verwendest du zum Herstellen von Kosmetik oder zum Backen und Braten? Wie sind deine Erfahrungen mit heimischen Ölen? Schreib es mir in deinem Kommentar.

Weitere Informationen

Kokosöl: Gesund und ökologischer als Palmöl? Gastbeitrag auf www.ricemilkmaid.de

Bitte teile den Beitrag mit deinen Freunden, wenn er dir gefällt.

27 Kommentare zu Ist Kokosöl eine ökologische Alternative zu Palmöl?

Palmöl-Boom bedroht Regenwälder

Was haben Eis, Margarine, Schokolade, Tütensuppen, Cremes und Duschbäder mit der Zerstörung von Regenwäldern zu tun? In diesem Artikel erfährst du die Auswirkungen der Palmöl-Produktion auf die einheimische Bevölkerung und die Tierwelt.

Was haben Eis, Margarine, Schokolade, Tütensuppen, Cremes und Duschbäder mit der Zerstörung von Regenwäldern zu tun? In diesem Artikel erfährst du die Auswirkungen der Palmöl-Produktion auf die einheimische Bevölkerung und die Tierwelt.

Besonders in Indonesien und Malaysia werden für Monokulturen tropische Regenwälder in großem Stil gerodet – meist verbunden mit illegaler Landnahme und der Vertreibung der Bevölkerung.

Auf der einen Seite ist die Palmölindustrie ein wichtiger Wirtschaftszweig und mit einem Drittel am globalen Gesamtverbrauch ist Palmöl das wichtigste weltweite Pflanzenöl. Auf der anderen Seite verlieren Orang-Utan, Sumatra-Tiger und andere Regenwaldbewohner ihren Lebensraum, da Brandrodungen und Trockenlegung von Torfmoorböden die Tiere verdrängen. Heute existieren nur noch wenige Populationen des Orang-Utans auf den Inseln Borneo und Sumatra, während diese Tiere einst über ganz Südostasien verbreitet waren.

Die sozio-ökologischen Folgen der Palmölexpansion

Die Wälder Indonesiens zählen nach Brasilien und dem Kongobecken zu den weltweit größten Regenwäldern. Gewachsen auf Torfböden, leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. In den Torfböden wird Kohlenstoff gespeichert. Werden die Torfmoore durch Brandrodung oder Trockenlegung zerstört, entweicht klimaschädliches CO2 in die Atmosphäre.

Nach Greenpeace führten in 2015 verheerende Waldbrände in Indonesien zu einem Ausstoß von CO2, der nach wenigen Wochen höher war als der jährliche Kohlendioxidausstoß von Deutschland. 31 Millionen Hektar, fast ein Viertel der Regenwaldfläche Indonesiens, wurden seit 1990 durch die Anlage von Palmölplantagen zerstört. Nicht nur der Lebensraum stark bedrohter Tierarten wie Sumatra-Tiger und Orang-Utan verschwindet, sondern auch der Lebensraum indigener Völker.

Nach einer Bestandsaufnahme des WWF würden die Tieflandregenwaldgebiete auf Borneo und Sumatra, bei fortschreitender Entwaldung, auf beiden Inseln bis 2020 zerstört sein. Damit hat der Orang-Utan in freier Wildnis kaum noch eine Überlebenschance. Auf beiden Inseln sind nur noch etwa 50 % der ursprünglichen Waldflächen vorhanden.

Die Ölpalme (Elaeis guineensis) hat ihren Ursprung in den Regenwäldern Westafrikas und wird dort seit Jahrhunderten als Nahrungs- und Heilmittel geschätzt. Erst 1848 brachten niederländische Seeleute die Pflanze nach Indonesien. Der weltweit steigende Verbrauch führt zu einer Ausdehnung der Plantagen, nicht nur in Indonesien und Malaysia, zunehmend auch in Afrika, Zentral- und Südamerika sowie in Papua-Neuguinea.

Unübersehbar sind die sozialen Folgen der massiven Expansion der Ölpalmenplantagen. In Indonesien sind etwa 100 Millionen Menschen auf die natürlichen Ressourcen der Regenwälder angewiesen und werden ihres natürlichen Lebensraumes beraubt. Häufig werden sie ohne Entschädigung von ihrem  Land vertrieben. Nach Angaben der indonesischen Organisation Sawit Watch sind 40 Millionen Indigene betroffen. Auch der Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden ist ökologisch für Mensch und Natur bedenklich. Böden und Flüsse werden verseucht.

Die Jahresproduktion von Palmöl liegt bei etwa 62 Millionen Tonnen. Die größten Mengen importiert aktuell das Entwicklungs- und Schwellenland Indien (9,4 Millionen Tonnen), gefolgt von der Europäischen Union (7,0 Millionen Tonnen), China (5,5 Millionen Tonnen) und Pakistan (3,2 Millionen Tonnen). 2014 importierte Deutschland 1,25 Millionen Tonnen Palmöl – das sind 15 kg pro Einwohner – und zählt damit zu den größten Palmölverbrauchern Europas.

Laut FONAP (Forum für Nachhaltiges Palmöl) stammen etwa 86 % der Weltproduktion aus Indonesien und Malaysia. In Indien, Indonesien und China werden 41 % der Weltproduktion von Palmöl zum Braten, Frittieren und Kochen genutzt, da es billig ist. Zudem ist der Flächenertrag mit 3,5 Tonnen pro Hektar im Vergleich zu anderen Ölpflanzen wie Raps (etwa 1 Tonne pro Hektar), Sonnenblumen (0,8 Tonnen pro Hektar) oder Soja (0,35 Tonnen pro Hektar) wesentlich höher – ein bedeutender Aspekt angesichts des rasanten Bevölkerungswachstums.

Freiwillige Verpflichtung zum verantwortlichen Palmölanbau

In vielen Ländern ist Palmöl für Kleinbauern die Lebensgrundlage. Doch die Palmölproduktion muss ökologischer, ökonomischer und sozial verträglicher gestaltet werden. Der 2004 ins Leben gerufene Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO), die größte Initiative im Palmölsektor, setzt sich für die Einhaltung von Mindeststandards für den nachhaltigen Anbau von Palmöl ein. Die Initiative wurde mit dem Ziel gegründet, eine Zertifizierung von nachhaltig produziertem Palmöl zu ermöglichen und zu fördern. Die Mitglieder des RSPO repräsentieren die gesamte Palmöl-Lieferkette. Darunter sind Palmöl-Erzeuger, Händler, Hersteller von Konsumgütern, Banken und Investoren sowie ökologisch-orientierte und sozial-orientierte Nichtregierungsorganisationen.

Die RSPO-Mitglieder verpflichten sich freiwillig mehr für Naturschutz und Menschenrechte zu tun als gesetzlich gefordert wird. Das heißt, dass neue Palmölplantagen nicht auf Primärwaldflächen beziehungsweise besonders schützenswerten Gebieten angelegt werden dürfen. Zudem ist es verboten, neue Plantagen ohne Einwilligung auf indigenem Gebiet zu errichten. Die Beachtung von Landnutzungsrechten ist vorgeschrieben. Der RSPO wird von vielen Umweltschutzorganisationen kritisiert und verhindert allein nicht die Entwaldung in den Tropen. Gerade für Entwicklungs- und Schwellenländer ist der RSPO aber ein wichtiger Schritt nach vorne und ermöglicht einen kritischen Dialog aller Beteiligten.

Mit Unterstützung des RSPO sind aktuell 21 % des weltweit produzierten Palmöls zertifiziert.

Im Rahmen der RSPO gibt es vier verschiedene Modelle bei der Zertifizierung: Beim Modell 1 „Identity Preserved“ ist die Ware zu 100 % rückverfolgbar – es wird strikt nach Plantage getrennt und es findet keine Vermischung in der Ölmühle statt.

Im Gegensatz zum Modell 1, kann beim Modell 2 „Segregation“ zertifiziertes Palmöl vermischt werden.

Die direkte Verfolgbarkeit ist beim Modell 3 „Mass Balance“ nicht gegeben, da keine Trennung erfolgt und kontrolliertes Mischen von Palmöl konventioneller und zertifizierter Plantagen erlaubt ist.

Modell 4 „Book and Claim“ (Zertifikatehandel) ist an der Kennzeichnung mit dem „GreenPalm“ Logo zu erkennen. „Book and Claim“ ermöglicht Unternehmen, die nicht RSPO zertifiziertes Palmöl gekauft haben, durch Erwerb von Zertifikaten, ihre mit konventionellem Palmöl hergestellten Produkte zertifiziert zu verkaufen, allerdings nur mit dem GreenPalm Warenzeichen und dem Zusatz „Trägt zur Herstellung von zertifiziertem nachhaltigen Palmöl bei.“

Ursprünglich war Modell 4 nur als Einstiegsmodell gedacht, mittlerweile werden aber über 70 % des unter RSPO Zertifizierung verkauften Palmöls über den Handelsweg „Book and Claim“ auf der Plattform GreenPalm gehandelt. Die Anreize für Unternehmen selbst auf zertifiziertem Anbau umzusteigen oder zertifiziertes Palmöl über die anderen Handelswege anzukaufen, sind meist zu gering. Der anspruchsvolle Ansatz des RSPO ist der getrennte Handelsweg – „Identity Preserved“ oder „Segregation“.

Einer der größten Abnehmer von Palmöl ist der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble. Du kennst einige Produkte dieses Herstellers, wie Ariel Waschmittel oder Head & Shoulders-Shampoo. Procter & Gamble hat laut Greenpeace zur Vernichtung von Regenwald in Indonesien beigetragen. Mittlerweile hat Procter & Gamble auf Druck von Greenpeace, anderen Umweltschutzorganisationen und Verbrauchern seine Waldschutz-Policy überdacht und eingelenkt. So will Procter & Gamble bis 2020 seine Produkte vollständig ohne Palmöl bzw. Palmkernöl aus Regenwaldzerstörung herstellen.

Greenpeace hat zuvor nachgewiesen, dass Procter & Gamble Palmöl von Händlern bezogen hat, die das Palmöl von der Firma BW Plantation aufgekauft hat. Die Firma BW Plantation hat nach Greenpeace in ihrer Konzession PT Adhyaksa Dharma Satya (PT ADS) in der Provinz Zentral-Kalimantan Orang-Utan-Lebensraum zerstört. Von etwa 5.466 Hektar, das als Orang-Utan-Habitat ausgewiesen ist, wurden 4.330 Hektar zerstört.

Auch Unilever will bis 2020 auf Palmöl aus nachhaltig zertifiziertem Anbau umsteigen. Ferrero verwendet bereits seit 2014 zu 100 % nachhaltiges, segregiertes Palmöl. Ferrero ist auch an der Initiative Palm Oil Innovation Group (POIG) beteiligt, zu deren Mitgliedern auch Greenpeace gehört. Die Initiative POIG baut auf den Standards des RSPO auf.

Der WWF Deutschland befragt jedes Jahr Unternehmen hinsichtlich der Nutzung von zertifiziertem Palmöl. In 2015 nutzten mehr als 50 % der befragten 200 Unternehmen zumindest teilweise zertifiziertes Palmöl. Seit 2013 hat sich die Anzahl der Unternehmen, die 100 % zertifiziertes Palmöl nutzen, verdoppelt. Schlecht abgeschnitten haben die Pharmaindustrie und die Futtermittelhersteller. Weitere Informationen kannst du in der vom WWF herausgegebenen Scorecard 2015 – Die Bewertung der Einkaufspolitik deutscher Käufer und Verarbeiter von Palmöl nachlesen.

Ist Palmöl in deinen gekauften Produkten enthalten?

Woran erkennst du, ob in deinen gekauften Produkten Palmöl enthalten ist? Das ist nicht einfach, denn unter palmölhaltigen Inhaltsstoffen sind alle Stoffe zu verstehen, die direkt oder indirekt aus Palmöl hergestellt werden können. Hersteller verwenden auch Bezeichnungen wie Palmitate, Palmate oder Pflanzenöl. Seit 2014 muss Palmöl gemäß EU-Regulation No 1169/2011 als solches auf Lebensmitteln ausgewiesen werden.

Eine für den Einkauf praktische Liste mit einem Palmöl-Schnellcheck und den Deklarationen von Palmöl bei Reinigungsmitteln und Kosmetika findest du bei Umweltblick.

Laut einer Untersuchung von Greenpeace ist fast in jedem zweiten Supermarktprodukt Palmöl enthalten. Es wird aus dem Fruchtfleisch der Palmfrüchte gewonnen, während das festere und farblose Palmkernöl aus den von den Schalen befreiten Fruchtkernen extrahiert wird. Aufgrund seiner cremigen Konsistenz wird Palmkernöl gern in Shampoos, Körperlotionen und Lippenstiften verwendet.

Stopp auch du die Regenwaldzerstörung bei deinem nächsten Einkauf 

Wenn du den Erhalt der Regenwälder unterstützen willst, greife beim nächsten Einkauf lieber zu Bioprodukten und möglichst unverarbeiteten Produkten aus saisonaler und regionaler Herkunft. Generell solltest du palmölhaltige Produkte meiden. Du kannst viele Produkte auch selbst herstellen. Wie wäre es mit einer selbstgemachten Schokolade, die garantiert palmölfrei ist? Margarine gibt es zum Beispiel auch auf Basis von Oliven- oder Sonnenblumenöl. Schokoaufstriche enthalten oft viel Palmöl. Du kannst auf Bio-Schokostriche umsteigen, aber Vorsicht – nicht alle sind palmölfrei. Solltest du trotzdem nicht verzichten können, kaufe nur Produkte, deren Palmöl aus nachhaltig zertifiziertem Anbau stammt.

Was denkst du über die Zerstörung unserer Regenwälder durch den Palmölanbau? Kaufst du konventionelle Lebensmittel und Kosmetika oder Bioprodukte, in denen Palmöl enthalten ist? Ich freue mich auf deinen hilfreichen Kommentar.

Titelbild: © feelphotoz – Pixabay

Bitte teile diesen Beitrag, wenn er dir gefällt.

Keine Kommentare zu Palmöl-Boom bedroht Regenwälder

Suchbegriff in das unten stehende Feld eingeben und Enter drücken um zu suchen