Kann Namibia seinen Wassermangel bekämpfen? Namibia ist das trockenste Land südlich der Sahara mit durchschnittlichen Jahresniederschlägen von nur 285 Liter pro Quadratmeter (Weltbank, 2014).

In Deutschland regnet es im Vergleich durchschnittlich 700 Liter pro Quadratmeter. Der gesamte Regen in Namibia fällt fast ausschließlich in den Sommermonaten von November bis März.

Windhoek geht das Wasser aus

Die Wasserversorgung, insbesondere für Windhoek, bleibt nach dem offiziellen Ende der Regensaison kritisch. Bekannt ist dieses Problem und dessen Auswirkungen schon seit 2013. Verantwortlich für die anhaltende Trockenheit ist vor allem das Wetterphänomen El Niño. Auch Äthiopien, Malawi, Swasiland, Sambia, Simbabwe, Mosambik und Südafrika sind betroffen.

Der Mensch braucht Wasser zum Überleben, doch er neigt dazu verschwenderisch damit umzugehen. Windhoek besteht aus Gebieten mit hohem bis mittlerem Einkommen, Gebieten mit niedrigem Einkommen und informellen Siedlungen. Nach einer Studie der Universität Freiburg beträgt der Wasserverbrauch durchschnittlich etwa 163 Liter pro Person und Tag.

In Gebieten mit hohem Einkommen verbraucht eine Person bis zu 306 Liter pro Tag. Das liegt auch daran, dass 31 % der Personen mit hohem Einkommen einen Pool haben. Die meisten haben auch einen Garten, der bewässert werden muss. Doch auch Personen in Gebieten mit geringem bis mittlerem Einkommen haben Verbräuche zwischen 188 und 252 Liter, während der Tagesverbrauch in den informellen Siedlungen nur 27 Liter pro Person beträgt.

Aber wieviel Wasser brauchen wir eigentlich? Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat errechnet, dass pro Person mindestens 25 Liter Wasser pro Tag zum Trinken, zur Nahrungszubereitung und für die Körperhygiene benötigt werden. Empfohlen werden 100 Liter pro Tag und Person, mehr brauchen wir eigentlich nicht.

Die Bewohner und ansässigen Gewerbeunternehmen hätten schon seit letztem Jahr 15 % bis 20 % Wasser sparen müssen. Vermutlich hat die Bevölkerung lange gehofft, dass sich die Situation von alleine löst. Dass Wasser im schlimmsten Fall nur noch eingeschränkt zu bestimmten Tageszeiten verfügbar sein könnte, schreckt offenbar ab, aber anscheinend nicht genug.

Wenn der Wasserverbrauch in Windhoek, Okahandja und Karibib nicht sinkt, ist der van Bach Damm spätestens im September 2016 leer, warnt der Chefhydrologe Andre Mostert von NamWater. Das hätte katastrophale Folgen für den Industriestandort Windhoek. Die Industrie und die Baufirmen sind die größten Wasserverbraucher, aber auch bei der Bevölkerung ist es in den Köpfen noch nicht richtig angekommen, dass sie zu verschwenderisch mit dem Wasser umgehen. Je nach Wassernutzungsintensität reichen die Wassermengen der Bohrlöcher dann auch nur noch kurze Zeit.

Daher wurde die Stufe 5 „Water Crisis“ ausgerufen, die in letzter Instanz strenge Restriktionen als Maßnahmen vorsieht. Der Druck, den die Bevölkerung, die Regierung und NamWater jetzt haben, kann nur vom Regen in der nächsten Regensaison 2016/17 genommen werden. Doch auch wenn die Situation dadurch möglicherweise entschärft wird – es dauert viele Jahre bis die Wasserreservoire wieder aufgefüllt sind.

Die Regierung hat deshalb auch Unternehmen aufgefordert, bis zu einem Drittel Wasser zu sparen. Jetzt hat Coca-Cola die Produktion von Getränken in Glasflaschen von Windhoek nach Oshakati in den Norden verlagert, um Wasser zu sparen. Die Getränkedosenproduktion wurde vorerst eingestellt. Namibia exportiert die Dosen nun aus Südafrika. Die Plastikflaschenproduktion bleibt aber weiterhin in Windhoek.

Selbst wenn es regnet, muss Namibia besser vorausplanen und viel mehr Wasser sparen, denn die Bevölkerung steigt jährlich um 4,5 % und es werden für 2030 doppelt so hohe Wasserverbräuche erwartet. Obwohl die Bevölkerung stetig zunimmt, wurde in den zentralen Gebieten Namibias seit der Unabhängigkeit keine Vorsorge getroffen.

Statt Investitionen in die Infrastruktur, z. B. für Rohrleitungsbau, Grundwasserbohrungen und alternative Wassersparsysteme zu tätigen, gehen zum Beispiel die Planungen für den Neubau des Parlamentsgebäudes fleißig weiter. Nach Angaben der Allgemeinen Zeitung sind die Kostenschätzungen für den Neubau von zuerst 700 Millionen Namibia Dollar auf 2 Milliarden Namibia Dollar gestiegen. Die Bevölkerung Namibias fragt sich zurecht, ob hier die richtigen Prioritäten gesetzt werden.

Wie kann Windhoek Wasser sparen?

Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, um Wasser zu sparen, angefangen bei der Änderung im persönlichen Verhalten und der Überprüfung von Installationen nach Tropf- und Versickerungsverlusten bis hin zu technischen Lösungen.

Die Bevölkerung sollte rechtzeitig sensibilisiert und gezielter aufgeklärt werden. Hauptaugenmerk liegt dabei auf Investitionen in z. B. wassersparende Armaturen, WC-Wasserstopptasten und Wassersparduschen in öffentlichen Einrichtungen, Krankenhäusern, Fitnesszentren, Schulen, Kindergärten, Hotels und privaten Haushalten. Mit diesen Maßnahmen lassen sich bis zu 50 % des Wasserverbrauches einsparen.

Auto waschen, Garten bewässern und den Pool nachfüllen sind nun in Windhoek erst einmal verboten. Bei einem Verstoß drohen Geldstrafen in Höhe von 2.000 Namibia Dollar, auch das Wasser könnte abgestellt werden, sagt die Pressesprecherin der Stadtverwaltung.

Das Auto wird in Namibia oft selbst mit einem Schlauch gewaschen. Dafür werden bis zu 150 Liter Wasser pro Waschgang benötigt. Nun darf die Autowäsche nur noch in registrierten Waschanlagen erfolgen.

Konventionelle Waschanlagen ohne Wasserrecycling haben aber auch einen sehr hohen Verbrauch von etwa 150 Litern pro Waschgang. Mit einer modernen Waschanlage mit präziser Dosierung und Wasserrecycling könnten bis zu 45 % Wasser und mehr gespart werden. Investitionen in ökologisch effiziente Waschanlagen sind daher sinnvoll.

Sportplätze, Golfplätze und öffentliche Parks dürfen nur noch bewässert werden, wenn diese an das Netzwerk mit semigereinigten Abwasser angeschlossen sind. Baufirmen sollen ebenfalls semigereinigtes Abwasser für Erdbewegungsarbeiten nutzen. Restaurants, Wäschereien, Friseure und Fitnesszentren müssen auch sparen.

Die Stadtverwaltung sagt, dass ein Mensch, der ganztägig zu Hause ist, nur noch 90 Liter pro Tag verbrauchen soll, eine Person, die ganztags arbeitet nur noch 20 Liter.

Deutschland ist Weltmeister im Wasser sparen

In Deutschland hält der Trend zum sparsamen Umgang mit Wasser an – die Deutschen sind sozusagen „Weltmeister“ im Wasser sparen. Laut des Statistischen Bundesamtes ist seit 1990 der tägliche Pro-Kopf-Wasserverbrauch um 15 % gesunken. Heute liegt der persönliche Wasserverbrauch bei 121 Litern pro Person und Tag.

Namibia kann Wasser mit einfachen Maßnahmen sparen und muss jetzt damit beginnen. Der Beitrag von mir beschreibt bewusst die Möglichkeiten, die jeder einzelne Mensch beeinflussen kann.

Das geht uns alle an: Virtueller Wasserverbrauch versteckt im Einkaufskorb

Denke auch an deinen virtuellen Wasserverbrauch. Das ist der Wasserverbrauch, der zur Herstellung eines Produkts benötigt wird, egal ob industriell oder landwirtschaftlich. 4.000 Liter pro Tag – so hoch ist der durchschnittliche virtuelle Wasserverbrauch eines Deutschen. In Namibia ist der virtuelle Wasserverbrauch laut einer Studie ähnlich hoch.

Deinen virtuellen Wasserverbrauch kannst du direkt durch dein Konsumverhalten beeinflussen. 

Zum Beispiel werden für die Produktion einer Packung Kartoffelchips nach WWF etwa 185 Liter Wasser benötigt. Ich persönlich kaufe keine Kartoffelchips, da diese ja immer in Plastik verpackt sind und kann dadurch meinen virtuellen Wasserverbrauch etwas senken. Ein Snack aus geschnittenem Obst oder selbstgemachte Bananenchips sind genauso lecker – und viel gesünder. Zudem leiste ich einen Beitrag zum Umweltschutz, da ich Verpackungsabfälle vermeide. Lies hierzu doch auch meinen Beitrag Kunststoffverpackungen vermeiden.

In eigener Sache – Rettung für das Überleben der Wildpferde Namibias

Die anhaltende Dürre bedroht auch das Überleben der einzigen an das Wüstenleben angepassten Wildpferde der Welt, die in Garub im Süden Namibias leben. Ich war vor einigen Wochen zum vierten Mal in Namibia und konnte die Wildpferde erleben, die eine unbeschreibliche Faszination ausstrahlen. Daher ist es mein persönliches Anliegen, auf die Situation der Wildpferde aufmerksam zu machen. Ihr Überleben ist noch bis Juni 2016 gewährleistet, dank zahlreicher Spenden, die die Stiftung Namibia Wild Horses in den vergangenen Monaten erhalten hat. Mit Hilfe der Spenden konnte etwa ein Viertel bis ein Drittel des Ernährungsbedarfs der Wildpferde gedeckt werden.

Um das Überleben der Wildpferde-Population weiterhin zu gewährleisten, braucht die Stiftung dringend weitere finanzielle Unterstützung, um hochwertiges Heu und Luzerne zu kaufen. Der Bestand ist seit Beginn der Dürre bereits von 260 Pferden auf 160 geschrumpft. In den letzten drei Jahren hat kein einziges Fohlen überlebt.

Deine Hilfe wird gebraucht!
Auf der Webseite der Stiftung findest du die Möglichkeit zu spenden und erhältst Informationen über den Ursprung der Wildpferde und wie sie sich über viele Jahrzehnte an die Wüstenbedingungen angepasst haben.

Was machst du, um Wasser zu sparen? Hast du weitere Vorschläge, wie die namibische Bevölkerung mehr Wasser sparen kann? Ich freue mich auf deine Anregungen in den Kommentaren.

Bitte teile diesen Beitrag, wenn er dir gefällt.

Du möchtest keinen Beitrag mehr verpassen? Dann kannst du dich hier mit mir verbinden: Facebook, RSS Feed

Erfahre hier mehr über mich und warum ich diesen Blog schreibe.