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Papiertüten & Co – Verschiebung der Ressourcenverschwendung?

Es bewegt sich etwas in Deutschland und es ist ein Anfang. Plastiktüten sollen verschwinden. Doch löst das wirklich die Umweltprobleme? Alternativen zu Plastiktüten sind im Vergleich nicht immer ökologischer. Der Anteil der Plastiktüten macht nur einen Bruchteil der Kunststoffabfälle aus. Ist nicht generell der Plastikkonsum bei Verpackungen das Problem?

Es bewegt sich etwas in Deutschland und es ist ein Anfang. Plastiktüten sollen verschwinden. Doch löst das wirklich die Umweltprobleme? Alternativen zu Plastiktüten sind im Vergleich nicht immer ökologischer. Der Anteil der Plastiktüten macht nur einen Bruchteil der Kunststoffabfälle aus. Ist nicht generell der Plastikkonsum bei Verpackungen das Problem?

REWE nimmt ab Juli Plastiktüten aus dem Sortiment. Das klingt zunächst klasse. Dann gibt es nur noch Papiertüten, Baumwollbeutel und stabile Mehrwegtragetaschen aus Recyclingmaterial. Der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) und Umweltministerin Barbara Hendricks freuen sich über die Entscheidung, das REWE Plastiktüten aus dem Sortiment nehmen will. Hendricks gibt aber auch zu, dass „Papiertüten ökologisch gesehen nicht unbedingt besser dastehen“, es ginge ihr aber um das Signal. REWE wird bereits seit 2009 vom NABU in Sachen Nachhaltigkeitsmanagement beraten und begleitet.

Wichtig ist jetzt, dass die Verbraucher nicht bei jedem Einkauf einen Baumwollbeutel kaufen oder eine Papiertüte, denn damit ist ökologisch gesehen keine Besserung in Sicht. Einer Befragung der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) nach verwendeten 2014 bereits 40 % der befragten Deutschen Einkaufskörbe, Klappkisten und wiederverwendbare Taschen. 37 % tätigten die Einkäufe mit einer Plastiktüte, die schon einmal benutzt wurde. Papiertüten wurden von 3 % der Befragten genutzt und Plastiktüten im Erstgebrauch machten einen Anteil von 9 % aus.

Das bedeutet im Umkehrschluss, wenn der Verkauf von Papiertüten und Baumwollbeuteln steigen würde, wird sich auch die Ökobilanz verschlechtern, da für die Herstellung der oben genannten Alternativen viel mehr Energie und Wasser benötigt wird. Erst nach mehrmaligem Tragen schneiden Papiertüten und Baumwollbeutel besser ab als Plastiktüten.

Papiertüten verbrauchen mehr Energie, Wasser und Chemikalien

Bei der Herstellung von Papiertüten wird 17 mal mehr Wasser benötigt als bei der Herstellung der gleichen Menge Plastiktüten. Auch hinsichtlich des Energieverbrauchs schneiden Papiertüten wesentlich schlechter ab. Die deutlich höhere Belastung von Luft und Wasser bei der Herstellung stellt ebenfalls ein Problem dar, da mehr Chemikalien zum Einsatz kommen, mit denen die Zellstofffasern behandelt werden. Auch die Wiederverwendbarkeit von Papiertüten ist fraglich, da diese weniger reißfest und wasserbeständig sind als andere Materialien.

Warum auch biobasierte Tüten nicht besser sind als Plastiktüten aus fossilen Rohstoffen

Zunächst erscheint die Verwendung „kompostierbarer“ Plastiktüten ökologischer. Doch so einfach ist das nicht. Die erste Gefahr bei kompostierbaren Tüten ist, dass diese die Menschen dazu verleiten könnten, die Plastiktüten in die Natur zu werfen, da sie ja verrotten.

Zudem werden in deutschen Kompostierwerken die Bioplastiktüten, die du vielleicht von Müllbeuteln kennst, genau wie anderes Plastik aussortiert und kommen in die Müllverbrennung. Das Bioplastik kann bei dem Verrottungsprozess einfach noch nicht mithalten – und einen Humus mit Plastikbestandteilen möchte niemand kaufen, denn die biobasierten Tüten bestehen meist nur zu einem Teil aus nachwachsenden Rohstoffen. Problematisch ist auch der Maisanbau, denn diese Tüten werden oft aus Maisstärke hergestellt. Aldi und REWE haben daher auch auf Drängen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ihre Biotüten aus dem Sortiment genommen.

Baumwolltasche bei der Herstellung hohe Kohlendioxidemissionen

Eine Untersuchung der Federal Laboratories Material Testing und Research der Eidgenössischen Hochschule Zürich ergab, dass bei der Produktion einer Baumwolltasche 1.700 Gramm Kohlendoxid freigesetzt werden, während bei der Produktion einer Papiertüte nur 60 Gramm Kohlendioxid und bei einer Plastiktüte aus Neugranulat 120 Gramm freigesetzt werden.

Wie man es dreht und wendet, der gute alte Einkaufskorb ist vermutlich die umweltfreundlichste Alternative. Für Spontankäufe habe ich immer einen Jutebeutel von der Marke Westford Mill dabei. Dieser Jutebeutel ist, glaube ich, kein Fair Trade Produkt, aber Westford Mill bietet auch andere Beutel mit dem Siegel Fair Trade an. Er hält schon fast zwei Jahre, tut seine Dienste und ist aufgrund der langen Einsatzzeit auch viel ökologischer als die Einwegplastiktüte.

Plastiktüten haben nur einen geringen Anteil am Kunststoffverbrauch in Deutschland

Der Anteil der Plastiktüten am gesamten Kunststoffverbrauch in Deutschland beträgt gerade einmal 0,7 %. Das Verbot von Plastiktüten ist laut Spiegel Online sozusagen eher Symbol eines Problems als Hauptverursacher. Die EU-Mitgliedsstaaten verpflichten sich den Pro-Kopf-Verbrauch auf durchschnittlich 90 Plastiktüten zu senken. Somit erfüllt Deutschland die Vorgabe für 2019 bereits heute – der Verbrauch in Deutschland liegt bei 71 Tüten pro Jahr. Bis 2026 soll der Verbrauch auf 40 Tüten pro Kopf reduziert werden. Du kannst viele Einzelheiten zum Plastiktütenverbrauch, auch in anderen Ländern, in einem vorherigen Beitrag von mir nachlesen.

Plastik ist ein Entsorgungsproblem

Fakt ist, dass wir nur mit dem Verbot von Plastiktüten und der möglicherweise drohenden Verschiebung der Ressourcenverschwendung nicht das erreichen werden was wir eigentlich wollen – die Umwelt entlasten. Es sollte über Alternativen für sämtliche Verpackungen nachgedacht werden. Viele Lösungen sind bereits einfach umzusetzen, zum Beispiel in der Obst- und Gemüseabteilung. Hier kann auch auf wiederverwendbare Beutel gesetzt werden, denn die Hemdchenbeutel werden oft weggeschmissen.

Warum nicht auch mehr Unverpackt-Lösungen mit Spendern für Grundnahrungsmittel wie Müsli, Nüsse, Reis und Nudeln? Die Händler könnten von den Produzenten die Produkte in Großmehrwegbehältern kaufen. Aber da sind sicher noch viele Hürden zu meistern. Lernen können die großen Supermärkte auf jeden Fall von den kleinen Unverpackt-Läden, die es mittlerweile fast in jeder Großstadt gibt.

Also schnapp dir zum Einkaufen ab sofort deinen Fair Trade produzierten Biobaumwollbeutel oder deine Jutetasche oder deinen Rucksack und nutze diese möglichst sehr lange. Über die dramatischen Folgen des Baumwollanbaus habe ich übrigens in einem vorherigen Beitrag berichtet.

Was denkst du über das komplette Verbot von Plastiktüten? Hast du dir schon Gedanken darüber gemacht? Denkst du, dass wir die Verantwortung abgeben können und uns ausruhen dürfen, da wir alle keine Plastiktüten mehr verwenden? Ich freue mich auf deine Meinung. Schreib sie mir in deinem Kommentar.

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Minimalismus als Lebenseinstellung?

Ich sitze vor meinem Schreibprogramm, das nur einen schwarzen Hintergrund zeigt, sonst nichts, damit ich mich besser auf das Wesentliche konzentrieren kann. Beim Öffnen des Programms steht immer das Zitat des Tages. Diesmal von Anaïs Nin (Schriftstellerin, 1903 bis 1977).

Ich sitze vor meinem Schreibprogramm, das nur einen schwarzen Hintergrund zeigt, sonst nichts, damit ich mich besser auf das Wesentliche konzentrieren kann. Beim Öffnen des Programms steht immer das Zitat des Tages. Diesmal von Anaïs Nin (Schriftstellerin, 1903 bis 1977).

„We don’t see things as they are, we see them as we are.“

Das heutige fand ich passend zum Thema, über das ich schon die ganzen letzten Tage nachdenke. Jeder sieht die Dinge immer gefiltert durch seine eigenen Vorstellungen und Erkenntnisse. Wir sind Menschen mit Emotionen, Erfahrungen, Wünschen und Zukunftsvorstellungen und können die Dinge nie wertfrei und objektiv betrachten.

Für den einen bedeutet Minimalismus bewusst nur soviel zu konsumieren wie er zum Leben braucht und für den anderen der komplette Verzicht. Es ist dennoch immer eine subjektive Entscheidung, wann für einen Menschen weniger Konsum anfängt. Der eine braucht nur eine Reisetasche voll persönlicher Dinge, der andere mehr und denkt trotzdem, dass er minimalistisch lebt.

Warum ich mir darüber Gedanken mache? Ich verzichte täglich bereits auf viele Dinge in meinem Leben, schon alleine deswegen, weil ich kaum noch in Plastik verpackte Produkte, ausgenommen ein paar Kosmetik- und Hygieneartikel, konsumiere.

So oft gehe ich im Supermarkt die Gänge entlang und wundere mich, dass ich all diese verpackten Produkte auch mal gekauft habe, wahrscheinlich oft nur, um sie zu haben. Seit über einem Jahr brauche ich diese Produkte nicht mehr und kaufe unverpackte Lebensmittel. Dort wo ich keine Alternative finde, verzichte ich.

Besonders bei den vielen Süßigkeiten habe ich dann auch darüber nachgedacht wie schädlich diese für meinen Körper sind. Ich esse jetzt viel mehr Obst. Auch das kaufe ich bewusst ein. Es müssen keine Erdbeeren aus Spanien im Winter sein. Ich freue mich auch gerade an meinen selbst angebauten Erdbeerpflanzen auf meinem Balkon. Bin schon gespannt wie die schmecken.

Was brauche ich eigentlich wirklich zum Leben, um glücklich sein? Oft stehe ich vor meinem Kleiderschrank und denke, dass es schade ist, dass ich all diese Kleidungsstücke gar nicht trage. Man sollte mal richtig aussortieren, denke ich oft. Das macht frei von all den verstaubten Gedanken. Bei jedem meiner Umzüge habe ich mir das schon vorgenommen.

Jetzt will ich es angehen und mich befreien von all den Dingen, die ich nicht brauche, um glücklich und erfüllt zu leben. Denn durch Konsumgegenstände kann man kein echtes Glück erkaufen.

Für mich ist wichtig, dass ich im Einklang mit mir und meiner Umwelt lebe. Mir ist wichtig, dass ich mich mit Menschen austauschen und Ansichten teilen kann. Meine Familie, mein Partner und meine Freunde sind mir wichtig. Ein selbstbestimmtes, sinnerfülltes Leben ist mir wichtig. Und das kann ich auch mit nur wenigen Dingen erleben.

Auf dem Blog Einfach Bewusst von Christof Herrmann, der über Minimalismus, Nachhaltigkeit und vegane Ernährung schreibt, habe ich ein interessantes Zitat von Erich Fromm (Psychoanalytiker und Philosoph, 1900 bis 1980) gefunden: „Die Gier ist immer das Ergebnis einer inneren Leere“.

Was bedeutet für dich Minimalismus? Ich freue mich auf deine Erfahrungen. Schreib es mir in deinem hilfreichen Kommentar.

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Bali am Rande einer Umweltkatastrophe – Hilft nur noch die Tourismuswende?

Bali gilt als einer der spirituellsten und magischsten Orte auf der Welt mit bezaubernden Menschen, wunderschönen Tempeln, Reisfeldern und traumhaften Landschaften und ist eine der bekanntesten und touristisch erschlossensten Inseln Indonesiens.

Bali gilt als einer der spirituellsten und magischsten Orte auf der Welt mit bezaubernden Menschen, wunderschönen Tempeln, Reisfeldern und traumhaften Landschaften und ist eine der bekanntesten und touristisch erschlossensten Inseln Indonesiens. Einerseits ist Bali abhängig vom Tourismus, andererseits führen die stetig wachsenden Touristenströme seit den 80er Jahren zu immer steigenden Umweltproblemen. Jedes Jahr kommen rund vier Millionen Touristen nach Bali. Derzeit gibt es etwa 80.000 Hotelbetten, mindestens 67 weitere Hotelanlagen sind in Bau.

Umweltprobleme auf Bali

Das zunächst sichtbarste Problem sind die wachsenden Müllberge. Aber auch die Übernutzung von Trinkwasser führt immer mehr zu spürbar absinkenden Grundwasserspiegeln. Die Akademikerin Stroma Cole erforschte über Monate die Ursachen und Auswirkungen der Wasserknappheit auf Bali. Die Tourismuswirtschaft verbraucht 65 % des auf der Insel verfügbaren Wassers. Berechnungen von Balifokus ergaben, dass bessere Hotels am Tag 500 Liter Wasser pro Zimmer verbrauchen, darin eingeschlossen sind Duschen, Zimmerreinigung, Swimmingpool und Gartenbewässerung. Im Süden Balis ist durch das Absinken des Grundwasserspiegels schon Salzwasser in das Grundwasser eingedrungen. Auch Verschmutzungen durch Fäkalien wurden festgestellt. Auf Bali gibt es kaum ein richtiges Abwasserentsorgungsnetz. Abseits der Hotels und Touristenhochburgen fließt das Abwasser oft ungefiltert direkt in die Flüsse und in das Meer.

An den sauber aufgeräumten Hotspots der Touristen und den hoteleigenen Stränden fällt das Umweltproblem vielleicht nicht immer gleich auf, aber Bali hat große Mühe die täglich anfallenden Müllberge zu bewältigen. In Kuta, dem sogenannten Ballermann von Indonesien, werden die Strände von Aufräumtrupps vom Müll befreit und trotzdem liegt dort noch jede Menge Plastikmüll, wie einschlägige Fotos im Internet beweisen. Auf einer Webseite habe ich eine Bildergalerie der 13 Strände gefunden, an denen man seinen Urlaub lieber nicht verbringen möchte. Kuta Beach auf Bali gehört leider dazu.

Trotzdem kommen viele Touristen nach Bali, denn Kuta ist nur die eine Seite, es gibt auch unzählige schöne Plätze dort, insbesondere im Landesinneren. Bali ist auch bei Surfern äußerst beliebt, aber auch die sind sehr unzufrieden mit der immer schlimmer werdenden Situation. Es ist nicht nur der schwimmende Plastikmüll im Meer, auch die Einleitung von Abwässern stinkt vielen Touristen. Vereinzelt wurden bereits dezentrale Abwasserbehandlungsanlagen insbesondere in Armenvierteln installiert. Damit Bali weiterhin ein beliebter Touristenort bleibt, muss aber sicher mehr in Sachen Umweltschutz und Ökotourismus passieren.

Wie fast überall in Indonesien gibt es auch hier nur eine mäßige von lokalen Behörden organisierte Müllabfuhr, geschweige denn genügend Abfallbehandlungsanlagen. Die Menschen schmeißen Abfälle allzu häufig auf die Straße, in Flussbetten oder ins Meer. Oft werden Abfälle auch verbrannt und verpesten damit die Luft – es riecht nicht selten nach verbranntem Plastik. Die Regenfälle schwemmen die Abfälle von den dutzenden Mülldeponien im Landesinneren an die Küste, dorthin wo die Touristen sind.

Balinesen wünschen sich einen nachhaltigen, sanften Kulturtourismus

Der Tourismus ist nichtsdestotrotz die wichtigste Einnahmequelle auf Bali. Die Entwicklung des Tourismus ging nur schneller als der Ausbau der Entsorgungsstruktur. Ökotourismus gibt es auf Bali bisher aber leider nur vereinzelt. Die Balinesen selbst möchten eigentlich keinen Massentourismus wie er jetzt vorherrscht, sie wünschen sich nachhaltigen, sanften Kulturtourismus.

Immer mehr Balinesen setzen sich daher für mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz ein und versuchen die Balance zwischen Kultur, Natur und Tourismus wiederherzustellen. Denn gerade im Hinduismus, der Hauptreligion der Balinesen, ist der friedliche Umgang mit sich selbst und der Natur von hoher Bedeutung. So sind es insbesondere die Bewohner der Insel, die nach Lösungen für das wohl sichtbarste von allen, das Abfallproblem, suchen, nicht aber die indonesische Regierung, die sich der Problematik wohl bewusst ist und sicher auch viel mehr helfen könnte.

Erste Schritte in die richtige Richtung

Ein einzigartiges Projekt, das um die ganze Welt ging, wurde von zwei indonesischen Schwestern, Isabel und Melati Wijsen, ins Leben gerufen. Die Schwestern setzen sich für ein Bali ohne Plastiktüten ein. Ihre Initiative nennt sich „Bye Bye Plastic Bags“ und wurde gegründet als die beiden Mädchen gerade mal zehn und zwölf Jahre alt waren. Mit einem symbolischen Hungerstreik schafften es die beiden nun auch den Gouverneur Made Mangku Pastika auf sich aufmerksam zu machen und kamen mit ihm ins Gespräch. Daraufhin verkündete die Umweltschutzagentur der Insel, dass Bali ab 2018 frei von Plastiktüten sein soll. Ich bin gespannt, ob dieses Ziel erreicht wird. Ein erstes Pilotdorf gibt es bereits. Dort haben Isabel und Melati viele Ladenbesitzer und Haushalte überzeugen können auf Plastiktüten zu verzichten.

Schade ist nur, dass erst radikale Maßnahmen richtige Aufmerksamkeit bei dem Gouverneur auslösen. Die beiden Mädchen haben hier Aufgaben geleistet, die eigentlich die Regierung vollbringen müsste, nämlich das Bewusstsein bei der Bevölkerung für Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu stärken. Die Wegwerfmentalität ist in Indonesien sehr groß. Aus den Augen, aus dem Sinn, so kommt es einem vor.

Das Unternehmen Eco Bali, das 2006 gegründet wurde, bietet eine kostenpflichtige Müllabfuhr für zum Beispiel Hotels an und betreibt eine eigene Abfallsortieranlage. Zudem gibt es eine Kampagne „Bring Your Own Bag (BYOB)“, um die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren ihre eigenen Beutel zum Einkauf mitzubringen anstatt die kostenlosen Einwegplastiktüten zu nutzen, die dann überall in der Umwelt landen. Zudem bietet Eco Bali Systeme zur Eigenkompostierung für Haushalte, Restaurants und Hotels an.

Es gibt vorbildliche Eco Resorts

Eco Resorts wie zum Beispiel das Puri Dajuma Cottages & Spa auf West Bali, ein 4-Sterne-Hotel, dass kein Abwasser ins Meer leitet, Brauchwasser behandelt, Kompost aus organischen Abfällen produziert, Glas und Plastik mit Hilfe der lokalen Bevölkerung vor Ort recycelt, Energie spart, Regenwasser sammelt und lokale Projekte vor Ort unterstützt, sollte es viel mehr auf Bali geben. Zudem macht das Hotel den Gästen weitere Vorschläge wie durch eigenes Verhalten die CO2-Bilanz des Aufenthaltes um den Faktor 4 reduziert werden kann, zum Beispiel indem die Gäste die Zimmerkühlschränke vom Strom nehmen und kalte Getränke an der Bar kaufen.

Einzelbeispiele lösen leider nicht das Problem im Ganzen. Insgesamt fehlt es wie immer an mehr Unterstützung durch die lokalen Behörden vor Ort. Bali braucht ein funktionierendes Wasser-, Abwasser- und Abfallmanagement. Die Sensibilisierung und Aufklärung der Bevölkerung und der lokalen Gewerbetreibenden steht an erster Stelle.

Was ich mir für die Insel Bali wünsche

Ich wünsche mir, auch weil ich sehr oft in Indonesien war und die Kultur und Menschen dort sehr schätze, dass die Regierung sich stärker für die Umweltproblematik einsetzt. Ich habe selbst im Rahmen von Projekten im Bereich Abfallmanagement oft mit Vertretern der Regierung sprechen können. Ich denke es liegt insbesondere daran, dass Fachkräfte im Land fehlen oder oft nicht viel bewirken können, da die Umweltprobleme ein so großes Ausmaß haben. Die bessere Ausbildung an den Universitäten ist ein erster Schritt. Ich war selbst am Aufbau eines Umweltmasterstudiengangs an der staatlichen Universitas Indonesia in Depok auf der Insel Java beteiligt, dessen Schwerpunkte Wasser-, Abwasser- und Abfallmanagement sind. Die jungen gut ausgebildeten Menschen werden hoffentlich in Zukunft mehr bewirken können als es bisher vielleicht der Fall war.

Ich wünsche mir auch, dass Bali es in Zukunft schafft einen Ökotourismus aufzubauen, bei dem Mensch, Kultur und Natur im Einklang sind und dass sich die Touristenströme nicht weiter auf benachbarte Inseln wie zum Beispiel Lombok oder die Gili Inseln verlagern, wo die Umwelt noch halbwegs in Ordnung zu sein scheint. Aber das ist wohl eine Illusion, oder? Immer mehr Gebiete werden in Indonesien touristisch erschlossen mit weitreichenden Folgen für das Ökosystem. Schade, wir wollen unberührte Natur, aber sind wir auch bereit für Umweltschutz und Ökotourismus mehr zu bezahlen? Und sind wir bereit im Urlaub auf Dinge zu verzichten, die wir aus unserem Alltag kennen?

Nicht nur die Touristen sind schuld

Es sind nicht nur die Touristen Schuld, sondern auch die Bevölkerung selbst und der Einfluss der westlichen Konsumgesellschaft. Früher war es das Bananenblatt, in dem Nahrung eingewickelt wurde, heute die Plastikfolie. Weggeschmissen wird oft beides direkt in die Natur, nur mit dem Unterschied, dass das Bananenblatt verrottet. Das Bewusstsein muss sich auch innerhalb der Bevölkerung verändern. Aber wo viel Armut herrscht, wird Umweltschutz meist nachrangig, denn Nahrung, Wasser und ein Dach über den Kopf zu haben sind da verständlicherweise erstmal wichtiger. Wo die Regierung nicht viel unterstützt und vor allem als Vorbild fungiert, kann auch niemand von der Bevölkerung erwarteten, etwas zu verändern.

Jeder von uns reist gerne in ferne Länder, um andere Kulturen, Menschen und Landschaften kennenzulernen. Aber wir sollten alle darauf achten und notfalls auch darauf aufmerksam machen, dass die Betreiber von Hotels auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz achten.

Lass uns jetzt über die Konsequenzen des Tourismus auf Bali diskutieren. Wie sind deine Erfahrungen? Bist du schon auf Bali oder anderen Inseln gewesen und welchen Eindruck hast du von der Umweltverschmutzung dort? Denkst du, dass eine Tourismuswende hin zum nachhaltigen Ökotourismus umsetzbar ist und hat Bali noch genügend Zeit das zu tun oder ist es schon zu spät für die Natur? Ich freue mich auf deinen hilfreichen Kommentar.

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Textilien aus Baumwolle – Ökologische und soziale Verantwortung

Schön, wenn das T-Shirt nur 5 Euro kostet, aber das kann nicht ökologisch und schon gar nicht unter fairen Arbeitsbedingungen produziert worden sein. Wer darunter leidet sind die Umwelt, die Bauern und die Textilverarbeiter in den Produktionsländern. Es wird Zeit umzudenken!

Schön, wenn das T-Shirt nur 5 Euro kostet, aber das kann nicht ökologisch und schon gar nicht unter fairen Arbeitsbedingungen produziert worden sein. Wer darunter leidet sind die Umwelt, die Bauern und die Textilverarbeiter in den Produktionsländern. Es wird Zeit umzudenken!

Weißt du wo und unter welchen Bedingungen deine Kleidung hergestellt wird? Nehmen wir zum Beispiel meine Jacke aus Baumwolle, die ich gerade trage und die aus Bangladesch stammt. Wurde diese Jacke unter nachhaltigen und sozialverträglichen Bedingungen produziert? Ich denke nicht und in Zukunft möchte ich mehr darauf achten woher meine Kleidung kommt und unter welchen Bedingungen diese produziert wird.

Ich frage mich auch, ob wir nur noch fair gehandelte und zertifizierte Textilien aus kontrolliert biologischem Anbau kaufen sollten? Nicht jeder kann und möchte sich das leisten. Schön, wenn das T-Shirt aus Baumwolle nur 5 Euro kostet, aber das kann nicht ökologisch und schon gar nicht unter fairen Arbeitsbedingungen produziert worden sein. Wer darunter leidet sind die Umwelt, die Bauern und die Textilverarbeiter in den Produktionsländern. Es wird Zeit umzudenken!

Mit dem Kauf von Textilien, die unter schlechten Arbeitsbedingungen und mit verheerenden ökologischen Auswirkungen hergestellt werden, unterstützen wir die Ausbeuterei von Mensch und Natur. Und wir merken es oft gar nicht oder sind uns dessen nicht bewusst, sonst würden wir diese Waren nicht kaufen. Dabei gibt es Alternativen wie zum Beispiel die Anbieter Grüne Erde, Hess Natur, Waschbär, Greenality, Glore und ThokkThokk.




Ökologische Auswirkungen des Baumwollanbaus

Baumwolle ist eine der wichtigsten Rohstoffe der Textilindustrie. Die wichtigsten Anbauländer sind China, Indien, USA, Pakistan, Brasilien, Usbekistan, Türkei und Ägypten. Die Baumwollproduktion sichert die Lebensgrundlage vieler Menschen und ist gleichzeitig eine wahnsinnige Energie- und Wasserverschwendung. Weltweit werden für die Baumwollproduktion jährlich 256 Kubikkilometer Wasser benötigt. Diese Menge würde laut der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e. V.  für die tägliche Versorgung jedes Menschen mit 120 Liter Frischwasser reichen. Für die Produktion von 1 kg Baumwolle werden im weltweiten Durchschnitt rund 11.000 Liter Wasser benötigt. Meine Baumwolljacke wiegt 185 Gramm. Das heißt für die Produktion wurden 2035 Liter Wasser benötigt.

Baumwolle Bildrechte: 168season, fotolia.com

Baumwolleernte
Bildrechte: 168season, fotolia.com

Andere Naturfasern wie Hanf oder Flachs (Leinen) sind umweltfreundlicher und verbrauchen nur ein Viertel des Wassers (2.500 Liter) wie bei der Herstellung von Baumwolle. Hanf und Flachs zählten einst zu den wichtigsten Rohstoffen für Textilien, bis sie von Baumwolle verdrängt wurden.

95 % der Baumwollfelder werden mit Oberflächenwasser bewässert, zum Beispiel durch Umleitung oder Aufstauen von Flüssen. Der Aralsee war vor Jahrzehnten das viertgrößte Binnengewässer der Welt. Doch die extensive Wasserentnahme für den Baumwollanbau hat dazu geführt, dass nur noch ein Drittel der Wassermenge vorhanden ist und der See einer Wüste gleicht.

Der konventionelle Anbau, der über 99,5 % der Welternte liefert, erfolgt meistens in großen Monokulturen ohne Fruchtfolgen. Die Böden verlieren dadurch ihre Fruchtbarkeit. Die Folgen sind der massive Einsatz von Kunstdüngern zur Ertragssteigerung und die damit verbundene Versalzung der Böden. Die Böden sind schon nach mehreren Anbaujahren nicht mehr nutzbar und erodieren. Zudem wird Grundwasser durch den Einsatz von Pestiziden und Chemikalien zum Färben und Bleichen vergiftet.

Verbraucher und Textilindustrie müssen globale Verantwortung übernehmen 

Biobaumwolle erlebt gerade einen Boom, aber auch bei kontrolliert biologischem Anbau (kbA) ist der Wasserverbrauch sehr hoch. Die wassersparende Tröpfchenbewässerung wird nur selten angewendet.

Dennoch ziehe ich aber Naturfasern vor Kunstfasern vor, denn Kunstfasern sparen zwar Wasser, sind aber biologisch nur schwer abbaubar und belasten die Umwelt bei der Entsorgung.

Woran erkennt der Verbraucher aber nun zertifizierte Naturtextilien, die ohne schlechtes Gewissen gekauft werden können?

Seit 2006 gibt es den Global Organic Textile Standard (GOTS). Dieser Mindeststandard für Naturtextilien hat einheitliche Richtlinien, angefangen von der Gewinnung der Rohstoffe über eine umwelt- und sozialverträgliche Fertigung bis hin zur transparenten Kennzeichnung. Zertifiziert werden nur Textilprodukte, die zu 70 % aus biologisch erzeugten Naturfasern bestehen. Farbstoffe und Hilfsmittel müssen bestimmte umweltrelevante und toxikologische Kriterien erfüllen. Die Verarbeitungsbetriebe müssen soziale Mindestkriterien einhalten. Du erkennst GOTS-zertifizierte Ware an dem grün-weißen Logo.

Weniger verbreitet, aber noch höhere Ansprüche hat das Siegel NATURTEXTIL IVN ZERTIFIZIERT BEST vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft e. V., dessen Richtlinien vorschreiben, dass nur Naturfasern eingesetzt werden dürfen, die zu 100 % aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) oder kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) eingesetzt werden dürfen.

Subsahara Afrika ist der weltweit fünftgrößte Baumwollexporteur. Etwa 3,4 Millionen Kleinbauern bauen dort Baumwolle an. 20 Millionen Menschen leben direkt oder indirekt vom Baumwollanbau. Der Anbau von Baumwolle ist somit eine wichtige Schlüsselfunktion zur Bekämpfung von Armut und trägt zur Existenzsicherung vieler Menschen bei. Die Initiative „Cotton Made in Afrika“ setzt sich für einen nachhaltigen Anbau in dieser Region ein und bietet Hilfe zur Selbsthilfe. So erhalten die Kleinbauern Schulungen über ökologische und ertragssteigernde Anbaumethoden. Für die Nutzung des Siegels zahlen Textilunternehmen eine Lizenzgebühr. Von den Einnahmen aus den Lizenzgebühren profitieren dann die regionalen Bauern und ihre Familien, denn diese fließen in Kooperationsprojekte, zum Beispiel in den Ausbau der schulischen Infrastruktur.

Worauf kannst du beim Textilkauf achten?

Trage deine Textilien möglichst lange und kaufe neue Kleidung nur, wenn du diese auch wirklich brauchst. So verbesserst du die Ökobilanz. Unterstütze Kleinbauern und Textilarbeiter, indem du Fair Trade, NATURTEXTIL IVN BEST oder GOTS zertifizierte Kleidung oder Kleidung mit dem Siegel „Cotton Made in Afrika“ kaufst. Eine schöne und umfangreiche Übersicht von 22 nachhaltigen Modelabels findest du auf Utopia.

Mit dem Kauf von Biobaumwolle, bei der keine schädlichen Pestizide oder Chemikalien eingesetzt werden dürfen, trägst du außerdem zum Schutz von Boden und Grundwasser bei und verbesserst somit die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort. Außerdem schützt du dich selbst, wenn du zertifizierte Naturtextilien kaufst, da keine schädlichen Chemikalienrückstände enthalten sind, wie zum Beispiel Formaldehyd, das Kontaktallergien auslösen kann. Formaldehyd wird zur Behandlung von Kleidung eingesetzt, damit diese nicht so schnell knittert und in Form bleibt.

Probiere auch andere Naturfasern wie Hanf oder Flachs (Leinen) aus, deren Wasserverbrauch bei der Produktion nur ein Viertel des Verbrauches wie bei Baumwolle beträgt.

Informiere dich über die ökologischen und sozialen Auswirkungen der Textilindustrie und über nachhaltige Qualitätsstandards bei der Produktion von Baumwolle.

Wo kaufst du deine Kleidung und achtest du darauf unter welchen ökologischen und sozialen Bedingungen diese produziert wird? Schreib es mir in deinem hilfreichen Kommentar.

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Wasser sparen in Windhoek – Jeder Tropfen zählt

Kann Namibia seinen Wassermangel bekämpfen? Namibia ist das trockenste Land südlich der Sahara mit durchschnittlichen Jahresniederschlägen von nur 285 Liter pro Quadratmeter (Weltbank, 2014).

Kann Namibia seinen Wassermangel bekämpfen? Namibia ist das trockenste Land südlich der Sahara mit durchschnittlichen Jahresniederschlägen von nur 285 Liter pro Quadratmeter (Weltbank, 2014).

In Deutschland regnet es im Vergleich durchschnittlich 700 Liter pro Quadratmeter. Der gesamte Regen in Namibia fällt fast ausschließlich in den Sommermonaten von November bis März.

Windhoek geht das Wasser aus

Die Wasserversorgung, insbesondere für Windhoek, bleibt nach dem offiziellen Ende der Regensaison kritisch. Bekannt ist dieses Problem und dessen Auswirkungen schon seit 2013. Verantwortlich für die anhaltende Trockenheit ist vor allem das Wetterphänomen El Niño. Auch Äthiopien, Malawi, Swasiland, Sambia, Simbabwe, Mosambik und Südafrika sind betroffen.

Der Mensch braucht Wasser zum Überleben, doch er neigt dazu verschwenderisch damit umzugehen. Windhoek besteht aus Gebieten mit hohem bis mittlerem Einkommen, Gebieten mit niedrigem Einkommen und informellen Siedlungen. Nach einer Studie der Universität Freiburg beträgt der Wasserverbrauch durchschnittlich etwa 163 Liter pro Person und Tag.

In Gebieten mit hohem Einkommen verbraucht eine Person bis zu 306 Liter pro Tag. Das liegt auch daran, dass 31 % der Personen mit hohem Einkommen einen Pool haben. Die meisten haben auch einen Garten, der bewässert werden muss. Doch auch Personen in Gebieten mit geringem bis mittlerem Einkommen haben Verbräuche zwischen 188 und 252 Liter, während der Tagesverbrauch in den informellen Siedlungen nur 27 Liter pro Person beträgt.

Aber wieviel Wasser brauchen wir eigentlich? Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat errechnet, dass pro Person mindestens 25 Liter Wasser pro Tag zum Trinken, zur Nahrungszubereitung und für die Körperhygiene benötigt werden. Empfohlen werden 100 Liter pro Tag und Person, mehr brauchen wir eigentlich nicht.

Die Bewohner und ansässigen Gewerbeunternehmen hätten schon seit letztem Jahr 15 % bis 20 % Wasser sparen müssen. Vermutlich hat die Bevölkerung lange gehofft, dass sich die Situation von alleine löst. Dass Wasser im schlimmsten Fall nur noch eingeschränkt zu bestimmten Tageszeiten verfügbar sein könnte, schreckt offenbar ab, aber anscheinend nicht genug.

Wenn der Wasserverbrauch in Windhoek, Okahandja und Karibib nicht sinkt, ist der van Bach Damm spätestens im September 2016 leer, warnt der Chefhydrologe Andre Mostert von NamWater. Das hätte katastrophale Folgen für den Industriestandort Windhoek. Die Industrie und die Baufirmen sind die größten Wasserverbraucher, aber auch bei der Bevölkerung ist es in den Köpfen noch nicht richtig angekommen, dass sie zu verschwenderisch mit dem Wasser umgehen. Je nach Wassernutzungsintensität reichen die Wassermengen der Bohrlöcher dann auch nur noch kurze Zeit.

Daher wurde die Stufe 5 „Water Crisis“ ausgerufen, die in letzter Instanz strenge Restriktionen als Maßnahmen vorsieht. Der Druck, den die Bevölkerung, die Regierung und NamWater jetzt haben, kann nur vom Regen in der nächsten Regensaison 2016/17 genommen werden. Doch auch wenn die Situation dadurch möglicherweise entschärft wird – es dauert viele Jahre bis die Wasserreservoire wieder aufgefüllt sind.

Die Regierung hat deshalb auch Unternehmen aufgefordert, bis zu einem Drittel Wasser zu sparen. Jetzt hat Coca-Cola die Produktion von Getränken in Glasflaschen von Windhoek nach Oshakati in den Norden verlagert, um Wasser zu sparen. Die Getränkedosenproduktion wurde vorerst eingestellt. Namibia exportiert die Dosen nun aus Südafrika. Die Plastikflaschenproduktion bleibt aber weiterhin in Windhoek.

Selbst wenn es regnet, muss Namibia besser vorausplanen und viel mehr Wasser sparen, denn die Bevölkerung steigt jährlich um 4,5 % und es werden für 2030 doppelt so hohe Wasserverbräuche erwartet. Obwohl die Bevölkerung stetig zunimmt, wurde in den zentralen Gebieten Namibias seit der Unabhängigkeit keine Vorsorge getroffen.

Statt Investitionen in die Infrastruktur, z. B. für Rohrleitungsbau, Grundwasserbohrungen und alternative Wassersparsysteme zu tätigen, gehen zum Beispiel die Planungen für den Neubau des Parlamentsgebäudes fleißig weiter. Nach Angaben der Allgemeinen Zeitung sind die Kostenschätzungen für den Neubau von zuerst 700 Millionen Namibia Dollar auf 2 Milliarden Namibia Dollar gestiegen. Die Bevölkerung Namibias fragt sich zurecht, ob hier die richtigen Prioritäten gesetzt werden.

Wie kann Windhoek Wasser sparen?

Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, um Wasser zu sparen, angefangen bei der Änderung im persönlichen Verhalten und der Überprüfung von Installationen nach Tropf- und Versickerungsverlusten bis hin zu technischen Lösungen.

Die Bevölkerung sollte rechtzeitig sensibilisiert und gezielter aufgeklärt werden. Hauptaugenmerk liegt dabei auf Investitionen in z. B. wassersparende Armaturen, WC-Wasserstopptasten und Wassersparduschen in öffentlichen Einrichtungen, Krankenhäusern, Fitnesszentren, Schulen, Kindergärten, Hotels und privaten Haushalten. Mit diesen Maßnahmen lassen sich bis zu 50 % des Wasserverbrauches einsparen.

Auto waschen, Garten bewässern und den Pool nachfüllen sind nun in Windhoek erst einmal verboten. Bei einem Verstoß drohen Geldstrafen in Höhe von 2.000 Namibia Dollar, auch das Wasser könnte abgestellt werden, sagt die Pressesprecherin der Stadtverwaltung.

Das Auto wird in Namibia oft selbst mit einem Schlauch gewaschen. Dafür werden bis zu 150 Liter Wasser pro Waschgang benötigt. Nun darf die Autowäsche nur noch in registrierten Waschanlagen erfolgen.

Konventionelle Waschanlagen ohne Wasserrecycling haben aber auch einen sehr hohen Verbrauch von etwa 150 Litern pro Waschgang. Mit einer modernen Waschanlage mit präziser Dosierung und Wasserrecycling könnten bis zu 45 % Wasser und mehr gespart werden. Investitionen in ökologisch effiziente Waschanlagen sind daher sinnvoll.

Sportplätze, Golfplätze und öffentliche Parks dürfen nur noch bewässert werden, wenn diese an das Netzwerk mit semigereinigten Abwasser angeschlossen sind. Baufirmen sollen ebenfalls semigereinigtes Abwasser für Erdbewegungsarbeiten nutzen. Restaurants, Wäschereien, Friseure und Fitnesszentren müssen auch sparen.

Die Stadtverwaltung sagt, dass ein Mensch, der ganztägig zu Hause ist, nur noch 90 Liter pro Tag verbrauchen soll, eine Person, die ganztags arbeitet nur noch 20 Liter.

Deutschland ist Weltmeister im Wasser sparen

In Deutschland hält der Trend zum sparsamen Umgang mit Wasser an – die Deutschen sind sozusagen „Weltmeister“ im Wasser sparen. Laut des Statistischen Bundesamtes ist seit 1990 der tägliche Pro-Kopf-Wasserverbrauch um 15 % gesunken. Heute liegt der persönliche Wasserverbrauch bei 121 Litern pro Person und Tag.

Namibia kann Wasser mit einfachen Maßnahmen sparen und muss jetzt damit beginnen. Der Beitrag von mir beschreibt bewusst die Möglichkeiten, die jeder einzelne Mensch beeinflussen kann.

Das geht uns alle an: Virtueller Wasserverbrauch versteckt im Einkaufskorb

Denke auch an deinen virtuellen Wasserverbrauch. Das ist der Wasserverbrauch, der zur Herstellung eines Produkts benötigt wird, egal ob industriell oder landwirtschaftlich. 4.000 Liter pro Tag – so hoch ist der durchschnittliche virtuelle Wasserverbrauch eines Deutschen. In Namibia ist der virtuelle Wasserverbrauch laut einer Studie ähnlich hoch.

Deinen virtuellen Wasserverbrauch kannst du direkt durch dein Konsumverhalten beeinflussen. 

Zum Beispiel werden für die Produktion einer Packung Kartoffelchips nach WWF etwa 185 Liter Wasser benötigt. Ich persönlich kaufe keine Kartoffelchips, da diese ja immer in Plastik verpackt sind und kann dadurch meinen virtuellen Wasserverbrauch etwas senken. Ein Snack aus geschnittenem Obst oder selbstgemachte Bananenchips sind genauso lecker – und viel gesünder. Zudem leiste ich einen Beitrag zum Umweltschutz, da ich Verpackungsabfälle vermeide. Lies hierzu doch auch meinen Beitrag Kunststoffverpackungen vermeiden.

In eigener Sache – Rettung für das Überleben der Wildpferde Namibias

Die anhaltende Dürre bedroht auch das Überleben der einzigen an das Wüstenleben angepassten Wildpferde der Welt, die in Garub im Süden Namibias leben. Ich war vor einigen Wochen zum vierten Mal in Namibia und konnte die Wildpferde erleben, die eine unbeschreibliche Faszination ausstrahlen. Daher ist es mein persönliches Anliegen, auf die Situation der Wildpferde aufmerksam zu machen. Ihr Überleben ist noch bis Juni 2016 gewährleistet, dank zahlreicher Spenden, die die Stiftung Namibia Wild Horses in den vergangenen Monaten erhalten hat. Mit Hilfe der Spenden konnte etwa ein Viertel bis ein Drittel des Ernährungsbedarfs der Wildpferde gedeckt werden.

Um das Überleben der Wildpferde-Population weiterhin zu gewährleisten, braucht die Stiftung dringend weitere finanzielle Unterstützung, um hochwertiges Heu und Luzerne zu kaufen. Der Bestand ist seit Beginn der Dürre bereits von 260 Pferden auf 160 geschrumpft. In den letzten drei Jahren hat kein einziges Fohlen überlebt.

Deine Hilfe wird gebraucht!
Auf der Webseite der Stiftung findest du die Möglichkeit zu spenden und erhältst Informationen über den Ursprung der Wildpferde und wie sie sich über viele Jahrzehnte an die Wüstenbedingungen angepasst haben.

Was machst du, um Wasser zu sparen? Hast du weitere Vorschläge, wie die namibische Bevölkerung mehr Wasser sparen kann? Ich freue mich auf deine Anregungen in den Kommentaren.

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2 Kommentare zu Wasser sparen in Windhoek – Jeder Tropfen zählt

Zero Waste einkaufen?

An der Fleischtheke den eigenen Behälter mitbringen und den Wurstaufschnitt oder das Steak dort hineinfüllen zu lassen? Das wird von den Supermärkten häufig kategorisch abgelehnt. „Das dürfen wir aus hygienischen Gründen nicht in mitgebrachte Behälter füllen!“, heißt es oft.

An der Fleischtheke den eigenen Behälter mitbringen und den Wurstaufschnitt oder das Steak dort hineinfüllen zu lassen? Das wird von den Supermärkten häufig kategorisch abgelehnt. „Das dürfen wir aus hygienischen Gründen nicht in mitgebrachte Behälter füllen!“, heißt es oft.

Unverpackt einkaufen – Nische, Trend oder Notwendigkeit?

Die Recherche zu diesem Beitrag hat mir gezeigt, dass es zum Thema verpackungsfreier Einkauf von Frischwaren, wie Wurst, Fleisch und Käse wenig und zum Teil unklare Informationen gibt.

In einer 2015 durchgeführten Verbraucherumfrage zu „Verpackungsfreie Lebensmittel“ gehen die Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) der Frage nach, inwieweit die Bevölkerung für verpackungsfreie Produkte offen ist. Die Studie zeigte, dass 82 % der 1000 befragten Deutschen weitgehend auf Verpackungen verzichten würden.

Aus meiner Sicht ist es nicht mehr nur eine Nische oder ein Trend – es ist eine Notwendigkeit. Der Handel und die Verpackungsindustrie sollten sich verstärkt Gedanken zu ökologischen und abfallvermeidenden Lösungen machen. Der Kunde jedenfalls ist bereit für eine Veränderung.

Verbraucherschutz geht vor Abfallvermeidung

Hygiene und Verbraucherschutz geht im Interesse aller Kunden vor Abfallvermeidung. Der Lebensmittelunternehmer ist für die Hygienesicherheit der von ihm in Verkehr gebrachten Lebensmittel verantwortlich. Die Basis dazu bildet die EU-Verordnung EU 852/ 2004, die in allen Ländern der Gemeinschaft gilt.

Es bleibt nur die freundliche Bitte an die Verkäuferin, die Wurst unverpackt in die Papiertüte oder einen mitgebrachten Behälter zu legen. Das kann manchmal sehr anstrengend sein. Bemerkungen von der Verkäuferin, wie „Das suppt Ihnen aber durch…“, sind nicht selten. Bei Hähnchenbrust, Fisch, Meeresfrüchten oder Hackfleisch geht das meist überhaupt nicht im konventionellen Supermarkt.

Prinzipiell ist es nicht verboten eigene Behälter mitzubringen. Diese dürfen nur nicht über die Theke gereicht oder auf die Theke gestellt werden. Daher gibt es auch so viele Unterschiede – einige Händler gestatten mitgebrachte Behälter zu befüllen, viele aber nicht, da sie Probleme mit dem Gesundheitsamt fürchten.

Wer auf dem Wochenmarkt kauft, kann viel Verpackungsmüll vermeiden

Laut einer Pressemeldung vom 22.04.2015 dürfen Lebensmittel, mit Ausnahme von Frischwaren, auf dem Mainzer Wochenmarkt jetzt offiziell in mitgebrachte Behältnisse gefüllt werden. Lebensmittel, wie Gemüse oder Obst sind von einer natürlichen Schutzschicht umhüllt und dürfen in eigene Behälter gefüllt werden. Diese Produkte werden vor dem Verzehr nochmal gewaschen und von möglichen Keimen befreit. Dabei ist darauf zu achten, dass die Behälter nicht hinter die Verkaufstheke gelangen und die Waage mit Keimen verschmutzen. Auch andere Wochenmärkte bieten den Kunden die Möglichkeit verpackungsfrei einzukaufen. Frage einfach auf deinem Wochenmarkt nach.

Ein gutes Beispiel wie es noch geht, ist das Unternehmen Frischepost GmbH, das in Hamburger Stadtteilen Säfte, Obst, Gemüse, Backwaren, Wurst, Fleisch, Milch, Eier und Käse aus nachhaltigem und regionalen Anbau in Mehrwegbehältern liefert, die bis zu 300-mal wiederverwendbar sind. Die Waren werden direkt von Bauern in der näheren Umgebung bezogen. Die Lieferung erfolgt mit dem Lastenfahrrad oder mit dem Elektroauto und ist umweltfreundlich.

Mehrwegbehälter an der Frischetheke – umsetzbare plastikfreie Alternative?

Wenn die Supermärkte einen Pfandbehälter anbieten würden, wäre doch das Problem mit der Hygiene gelöst, oder? Der Kunde könnte selbst entscheiden, ob er die umweltschädliche Plastikverpackung möchte oder Wurst, Fleisch und Käse nachhaltig in Mehrwegbehältern kauft.

Käse kaufe ich persönlich nicht oft, da dieser zumindest zur Lagerung aus Hygieneschutzgründen immer in Plastikfolie eingewickelt wird. Wenn ich doch einmal Lust auf Käse habe, mache ich meinen Weichkäse selber – schmeckt auch lecker. Aber da das Selber-Käse-Machen etwas Zeit beansprucht, mache ich das nicht oft und verzichte stattdessen auf Käse.

Ich würde mir wünschen, dass der Lebensmitteleinzelhandel zusammen mit den Verbraucherschutzorganisationen überlegt, ob ein Mehrwegpfandsystem für die Wurst-, Fleisch und Käsetheke in Frage kommt. Im Prinzip wäre dies auch sinnvoll im Feinkosthandel. Die Pfandbehältnisse könnten aus Edelstahl oder Bioplastik sein.

Natürlich muss es eine wirtschaftliche Lösung für die Reinigung solcher Mehrwegsysteme geben. Genormte Behälter wären dabei hilfreich. Zudem sind zusätzliche Lagerflächen notwendig.

Da ein großer Teil der Menschen im Supermarkt kauft und nicht im Hof- oder Unverpacktladen, wäre es wünschenswert, dass über verpackungsfreie Alternativen nachgedacht wird. Das Bewusstsein für Abfallvermeidung und Umweltschutz ist schon bei vielen Kunden da. Der Handel wird erst umdenken, wenn der Kunde es einfordert. Vielleicht gibt es bald auch eine Unverpackt-Ecke im Supermarkt?

Was denkst du über verpackungsfreies Einkaufen von Wurst, Fleisch und Käse? Wären Mehrwegbehälter für dich eine Lösung? Was bist du bereit für den Behälter als Pfand zu zahlen? Denkst du, dass ein solches System flächendeckend umsetzbar ist? Über deine wertvollen Kommentare, freue ich mich sehr.

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4 Kommentare zu Zero Waste einkaufen?

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