Gastbeitrag, Ökotourismus
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Greenwashing im Tourismus und wie du diesen aufdeckst

Anna Kodek wohnt im niederösterreichischen Eichgraben und befasst sich mit einer nachhaltigen Tourismusentwicklung. Neben ihren größtenteils ehrenamtlich gehaltenen Vorträgen zu diesem Thema, gestaltet sie einmal im Monat Reise-Inspirationen auf Basis eines verantwortungsvollen Tourismus. Auf ihrer Webseite verantwortungsvoll-reisen.com kannst du diese nachlesen und findest viele Informationen und Tipps, die dir aufzeigen, dass ein Tourismus auf Augenhöhe einen absoluten Mehrwert deiner Reise darstellt.

Anna Kodek

Anna Kodek befasst sich mit einer nachhaltigen Tourismusentwicklung, © Anna Kodek

Nachhaltigkeit ist absolut trendy und ein Marketingtool, auf das kein Unternehmen verzichten mag, auch in der Tourismusbranche nicht. Du hast es mit deinem Verhalten, deiner Kaufentscheidung, deinem Lebensstil in der Hand: Eine sich immer wiederholende Worthülse. Filme wie die Grüne Lüge sind zum Wachrütteln gemacht, aber es fehlen darin Lösungsansätze. Filme wie But Beautiful und die Zukunft ist besser als ihr Ruf bringen wiederum nachhaltige Unternehmen, Initiativen usw. auf den Bildschirm.

Wie trennst du als Reisender die Spreu vom Weizen?

Viele Hotels sind mit unterschiedlichsten Labels zertifiziert, die entstandenen CO2-Emissionen werden kompensiert, pro Buchung wird ein Baum gepflanzt und ein Teil des Gewinns wird z. B. in Bildungsprojekte gespendet.

Aber Nachhaltigkeit ist komplexer als sie auf den ersten Blick zu sein scheint. Wo fängt Sie an, wo hört Sie auf? Sprechen wir von der sozialen, der ökologischen oder der ökonomischen Nachhaltigkeit? Meinen wir die berühmte Corporate Social Responsibility oder doch die Corporate Citizenship?

Als Corporate Social Responsibility wird die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen im Sinne eines nachhaltig wirtschaftenden Unternehmens bezeichnet. Als Corporate Citizenship wird das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen bezeichnet.

Tipps, worauf du bei deiner nächsten Reise achten kannst:

  • Wähle einen Veranstalter, der in landestypischen Unterkünften übernachtet; vor Ort mit öffentlichen Transportmitteln, zu Fuß, per Rad, Kanu usw. unterwegs ist; den Kinderschutzkodex The Code unterzeichnet hat; Wert legt auf einheimische und lokale Reiseleiter; der transparent ist und bei dem Nachhaltigkeit tief in der Unternehmenskultur verankert ist. Viele solche Veranstalter haben sich z. B. im Forum Anders Reisen zusammengeschlossen. Das Forum Anders Reisen ist ein Verband kleiner und mittelständiger Reiseveranstalter, die bei Ihren Produkten sowohl die Natur als auch die ethische und soziale Gerechtigkeit berücksichtigen.
  • In der Broschüre Wegweiser durch den Labeldschungel werden führende internationale Gütesiegel für Unterkünfte, Reiseangebote und Reiseveranstalter vorgestellt und auf ihre Glaubwürdigkeit überprüft. Hier hat Anja für dich die wichtigsten Nachhaltigkeitssiegel im Tourismus zusammengestellt
  • Hinterfrage und informiere dich genau über Kompensationsprojekte. Investiere in Projekte, die mit dem CDM (Clean Development Mechanism) und dem Gold Standard, dem strengsten Standard für Klimaschutzprojekte, zertifiziert sind. Der Gold Standard wurde von Umweltorganisationen unter der Federführung des WWF 2003 ins Leben gerufen, um sicherzustellen, dass CDM-Projekte tatsächlich zur nachhaltigen Entwicklung beitragen.
  • Vergiss bei einer Kompensation in Waldprojekte nicht, dass Bäume langsam wachsen und ein Wald mindestens 50, wenn nicht 100 Jahre bestehen muss, um einen nennenswerten Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Stell dir die Frage: Wer garantiert mir, dass der Wald nicht wieder abgeholzt wird (z. B. aufgrund von Schädlingsbefall) oder wegen Trockenheit einem Waldbrand zum Opfer fällt.
  • Suche dir einen Kompensationsanbieter, der die entstandenen Emissionen mindestens mit dem Faktor 2,7 kalkuliert. Was bedeutet das? Neben CO2-Emissionen haben auch Wasserdampf, Stickoxide und andere Abgase große Auswirkungen auf das Klima, besonders über 9.000 Meter Flughöhe. Die Gesamtklimawirkung in dieser Höhe ist mindestens zwei- bis fünfmal so hoch als der reine CO2-Effekt (Umweltbundesamt, 2019).
  • Beleuchte immer alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit. Erkundige dich wie viel Geld tatsächlich bei der lokalen Bevölkerung ankommt. Viele Devisen fließen durch Import von westlichen Getränken und Lebensmitteln wieder zurück in die Industrieländer. Kreuzfahrten investieren z. B. viel Geld in die ökologische Nachhaltigkeit, aber wie sieht es mit der sozialen Nachhaltigkeit, sprich den Arbeitsbedingungen der Crew aus? Welchen Impact hinterlässt ein Kreuzfahrtschiff, das doppelt so lang und höher ist als der Berliner Reichstag bei den Zielländern?
  • Höre auf dein Bauchgefühl. Frage, hinterfrage und sei kritisch.

© Anna Kodek

Zusammenfassung

Ich ziehe weite Kreise im Tourismus und finde, alle Menschen, die vom Tourismus leben, sollten ihr Bestes geben, um ein intaktes Ökosystem zu erhalten, zu fördern und sich dafür einsetzen. Greenwashing ist hier fehl am Platz. Corona mag vielleicht einmal der Vergangenheit angehören, aber weder du noch ich machen gerne in einer Welt Urlaub, deren Natur keine Natürlichkeit mehr aufweist.

Wie ernst es mit unserem Planeten steht, zeigt der Living Planet Report 2020 des WWF. Dieser zeichnet ein düsteres Bild unserer Biodiversität: Die Bestände von Säugetieren, Vögeln, Amphibien, Reptilien und Fischen sind laut Report um durchschnittlich 68 Prozent eingebrochen.

Innervillgraten (Osttirol), © Anna Kodek

Bist du auch schon mit Greenwashing im Tourismus konfrontiert worden? Hat diese Erfahrung dein Reiseerlebnis geschmälert? Schreib mir einen Kommentar.

Titelfoto: © Anna Kodek

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